Jahrgang 27, Ausgabe 1 – April 2024

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Leben als Laudato-Si’ Kongregation?

von Maria-Theresia Knippschild, Bayerische Provinz mit den Distrikten ÖR-IT und CE

Unsere Verpflichtung, die Laudato Si’-Ziele als Kongregation zu verfolgen, sagt: In Treue zu unserem Charisma und unserer Sendung, … verpflichten wir uns, … für die Würde des Lebens und die Bewahrung der Schöpfung  zu erziehen.

„Ist das wirklich möglich – angesichts unseres zunehmenden Alters? Können wir uns wirklich in der Sorge für unser gemeinsames Haus einsetzen?“, so fragen sich viele Mitschwestern und denken dabei an größere Aktionen. Aber oft sind es gerade die sogenannten kleinen Dinge, die konsequent durchgehalten werden und dadurch für die Bewahrung der Schöpfung extrem wichtig und unterstützend sind.

Die Schwestern in unseren sechs Altenheimen fühlen sich wirklich als Mitglieder unserer internationalen Gebetsgemeinschaft für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Bei Besuchen versprechen die Schwestern immer wieder das regelmäßige, tägliche Gebet in den Anliegen der Provinz und der Welt. Damit geben sie auch den zahlreichen Mitarbeiter:innen ein glaubwürdiges Zeugnis und Beispiel. Den Schwestern und Mitarbeiter:innen in unseren pädagogischen Einrichtungen ist es äußerst wichtig, die ihnen Anvertrauten zur Achtsamkeit mit der gesamten Schöpfung zu erziehen. Neben dem Einüben des guten Umgangs miteinander gibt es auch Aktionen, die sich auf den Umgang mit der Schöpfung richten. So erlebten die ‚Öko-Kids‘, was es heißt, einen Tag ohne Strom zu leben, d.h. vielleicht schon bei Kerzenschein zu frühstücken, kein warmes Mittagessen zu haben, keinen Computer oder das Telefon nutzen zu können. In einer anderen Einrichtung setzten sich Schülerinnen ein zum Wohle ihrer Mitmenschen, indem sie Lebensmittelpakete für Regensburger Bedürftige packten oder Plastikverschlüsse für Polioimpfungen sammelten.

In all unseren Gemeinschaften kaufen wir bewusst und nachhaltig ein in Bezug auf Kleidung, Lebensmittel, Waschmittel, Reinigungsmittel und achten dabei auch darauf, dass die Lebensmittel aus der Region, dem Land kommen, saisonal und möglichst ohne Plastikverpackung sind. In einem Gespräch mit den Leitungen unserer Gemeinschaft wurde deutlich, wie wichtig es ist, sich auch diese ‚kleinen‘ Dinge bewusst zu machen und zu sehen, dass der Einsatz für die Schöpfung mit unserem Leben als Schulschwestern untrennbar verbunden ist.

Teilnahme der Schulschwestern v.U.L.Fr. bei den UN

von Schwester Beatriz Martínez-García, SSND, UN-NGO-Vertreterin

 Als Nichtregierungsorganisation bei der UN setzen wir uns vor allem für die Rechte von Mädchen, Frauen und Menschen ein, die in Armut leben. Unser Ziel ist es, systemische Veränderungen in der Gesellschaft herbeizuführen.

Ich freue mich, Ihnen über die Teilnahme von Schwestern, Mitarbeiter:innen, Kolleg:innen und Schulschwestern-Einrichtungen an UN-Konferenzen sowie über die von Nichtregierungsorganisationen organisierte Lobbyarbeit zu berichten. Die Zusammenarbeit für das Wohl der Menschen und des Planeten ist inspirierend.

Am 31. Januar besuchte eine Gruppe von 36 begeisterten Studentinnen der Academy of Holy Angels in New Jersey, USA, die Vereinten Nationen. Joan Connelly und Jennifer Cucchisi führten die Gruppe mit großer Begeisterung an. Während der Präsentation im Bereich des Besucher-Cafés erläuterte ich die Rolle der NRO bei den UN. Dazu gehörte auch die Lobby-Arbeit der Schulschwestern in Zusammenarbeit mit anderen NROs und dem Internationalen Shalom- Netzwerk der Schulschwestern. Die Studentinnen waren sehr aufgeschlossen und stellten interessante Fragen. Nach der Präsentation nahm die Gruppe an der UN-Führung teil.

Am 9. Februar veranstaltete der NRO-Ausschuss für soziale Entwicklung das Forum der Zivilgesellschaft 2024. Sr. Karina Ubillús Agurto (Südsudan) nahm per Live-Stream an der Veranstaltung teil. Vor dem Forum traf ich mich mit Vertreter:innen der Regierungen von Ghana, Japan, Peru, Polen und Portugal sowie mit anderen Kolleg:innen. Wir erörterten die vier Prioritäten des Ausschusses, die in der Erklärung der Zivilgesellschaft 2024 hervorgehoben werden, und die von den Schulschwestern v.U.L.Fr. unterstützt wird.

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Die Kommission für die Rechtsstellung der Frau hielt ihre achtundsechzigste Sitzung vom 11. bis 22. März ab. Die Delegation der Schulschwestern bestand aus Student:innen und Mitarbeiter:innen der Mount Mary University in Milwaukee, WI, und der Academy of the Holy Angels in New Jersey, USA. Zur Vorbereitung auf die Kommission nahmen alle Delegierten an einer Online-Orientierungssitzung teil.

Ein weiteres aufregendes Ereignis war der Besuch von 40 Schüler:innen und fünf Mitarbeiter:innen der Notre Dame High School in Kyoto (Japan) bei den Vereinten Nationen, mit denen ich am 8. März zusammentraf und einen Vortrag über „Baumeister des Friedens“ hielt.

Basilika Santa Maria in Trastevere, Rom

IN WÜRDE UNTERWEGS Zuhören, Träumen, Handeln

von Novizin Marcellar Chepkemoi, Provinz Afrika

 Wir, das Noviziat und einige Schwestern aus den Generalatsgemeinschaften, waren gesegnet, an einer interreligiösen Gebetsvigil teilzunehmen und gemeinsam mit der Kirche für mehr Bewusstsein und Arbeit gegen Menschenhandel zu beten. Papst Franziskus sagt: „Ich ermutige euch, für die Würde zu sorgen, für eure und die jedes Menschen, dem ihr begegnet.“ Das ist so inspirierend, weil wahre Würde bei uns selbst beginnt, bei dem, was wir sind und was wir tun, indem wir wir selbst sind und das, was wir sind, auf andere ausdehnen.

Das Gebet war von Geist erfüllt, mit Zeiten der Stille und bedeutungsvollen Fürbitten, die universal und sehr berührend waren, da sie mit den fünf Elementen der Natur verbunden waren. Indem wir unsere Sorgen für die gesamte Schöpfung miteinander teilen, werden wir zu guten Hirten füreinander. Dies ruft zum Gebet auf, dass wir uns alle bemühen, für die Erde, die unser Zuhause ist, zu sorgen. Wenn wir wirklich die Führung des Heiligen Geistes suchen, um zu verstehen, wie die Elemente der Natur (Wasser, Feuer, Luft, Wind und Erde) mit dem Menschenhandel zusammenhängen, werden wir in der Lage sein, die Ursachen zu erkennen und zu verstehen, warum die Menschenwürde beeinträchtigt wird.

Im Gebet wurde bekräftigt, dass wir um die Gnade beten müssen, zuzuhören, zu träumen und zu handeln. Wir Schulschwestern erheben unsere Stimme, „um die Grundursachen der Ungerechtigkeit zu beseitigen“, wie es in der Ihr seid gesandt (ISG) Konstitution 17 heißt: Wir bemühen uns um Solidarität mit denen, die leiden. Wir beten, dass wir in der Verantwortung wachsen, füreinander und für unsere Mutter Erde zu sorgen.

 Viele Menschen werden durch Menschenhandel verwundet, der durch Krieg, Konflikte, Klimakrisen und Politik verursacht wird. Wir beteten um die Gnade der Heilung, des Schutzes und der Freiheit für alle, die Opfer von Menschenhandel sind. Es war auch berührend, dass viele Jugendliche aus verschiedenen Teilen der Welt kamen, um zu beten und das Bewusstsein gegen Menschenhandel zu verbreiten. Das ist wirklich die Hoffnung für die Zukunft: zu sehen, wie unsere Jugendlichen aus ihrer Komfortzone herauskommen und darüber hinausgehen. Das ist so inspirierend, und wir müssen mehr und mehr beten, damit die Jugend offener für diesen Ruf wird und ihm folgt. Wie die Schutzpatronin dieses Anliegens, die heilige Bakhita, sagte: „Der Herr hat mich so sehr geliebt. Wir müssen alle lieben.“ Im Angesicht der unmenschlichen Prüfungen sah sie nur das Antlitz Christi.

Achtsamkeit gegenüber den Auswirkungen unserer Entscheidungen auf Mensch und Umwelt

von Tim Dewane, Shalom-JPIC, Provinz Central Pacific

 „Erziehung im Geiste der seligen Mutter Theresia, die ausgerichtet ist auf menschliche Entwicklung und ökologische Nachhaltigkeit, ist für die Verwandlung unserer Welt entscheidend.“ (Akte des 25. Generalkapitels)

Im Bewusstsein der Tatsache, dass Januar der Monat der Sensibilisierung für Menschenhandel ist, und zur Unterstützung unserer SSND-Verpflichtung Laudato Si‘, haben sich Schwestern, Mitarbeiter und Freunde Zeit genommen, um die Auswirkungen unserer Entscheidungen auf die Menschen und den Planeten genauer zu betrachten. Unsere Reise begann mit einem speziellen Webinar – Mindful of Our Impact on People and Planet – in dem wir anhand von Zeugnissen, Reflexion und Dialog erkundeten, wie unsere Entscheidungen in Bezug auf Essen und Konsum zu einem positiven Welleneffekt für die Gesellschaft beitragen oder die Herausforderungen, mit denen die Menschen und der Planet konfrontiert sind, verschlimmern können.

Im Anschluss an diese Erfahrung beschäftigten wir uns wöchentlich mit folgenden Themen: Menschenhandel und Kinderarbeit, die wahren Kosten von Niedrigpreisen, fairer Handel und ethische Beschaffung, die fünf Rs der Abfallvermeidung sowie Kultur- und Bewusstseinswandel.

Wir haben unsere Initiative mit einer Videoreflexion zum Fest der heiligen Josephine Bakhita und in Anerkennung des Internationalen Gebets- und Sensibilisierungstages gegen Menschenhandel (8. Februar) abgeschlossen. Diese Initiative hat uns geholfen, klarer zu erkennen, dass jede bewusste Entscheidung für Lebensmittel und Konsum eine Gelegenheit ist, unsere Werte zu leben und einen positiven Eindruck auf der Erde und ihren verschiedenen Gemeinschaften zu hinterlassen. Und dass „jedes bisschen hilft“ (Laudate Deum 70), denn selbst die kleinen Dinge, die wir tun, können zu einem Kultur- und Bewusstseinswandel beitragen, der für die Transformation des Selbst und der Gesellschaft von grundlegender Bedeutung ist.

 

Justice Coalition of Religious (Bündnis für Gerechtigkeit der Ordensleute): Ein Modell der Zusammenarbeit

von Schwester Beatriz Martinez-Garcia, UN-NGO Repräsentantin der Schulschwestern

Die Justice Coalition of Religious (JCoR) ist eine Gruppe von 22 Nichtregierungsorganisationen, die akkreditiert sind, um gemeinsam über 200 Kongregationen römisch-katholischer Ordensfrauen und -männer bei der UNO in New York zu vertreten. Die Mitglieder der JCoR haben sich zusammengeschlossen, um die Zusammenarbeit zwischen ihren Mitgliedern am UN-Hauptsitz und in der ganzen Welt zu verbessern. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Lebensqualität von Menschen, die in Armut leben, zu verbessern und unsere Verantwortung für die Umwelt zu stärken.

Am 15. Januar nahmen Shalom-Kontaktpersonen aus Honduras, Peru und dem Südsudan an der ersten Online-Sitzung des Programms 2024 für „digitale Delegierte“ religiöser NRO für das Hochrangige Politische Forum für nachhaltige Entwicklung teil. Sie bereiten sich auf die virtuelle Teilnahme an diesem Forum im Juli vor.

Die Global Community Hour (GCH) ist ein monatliches globales Online-Treffen für Katholiken, das in Englisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch verfügbar ist. Die Teilnehmer entdecken und tauschen sich über neue regionale Gerechtigkeitsanliegen aus und bleiben gleichzeitig über die Inter-essenvertretung der JCoR-Gemeinschaftsfamilie bei den Vereinten Nationen informiert. Die GCH im Februar konzentrierte sich auf das SDG 2: Beendigung des Hungers. Unsere Nichtregierungsorganisation führte das Gebet an und rief dazu auf, dass unsere Hoffnung und Verpflichtung darin besteht, den Hunger zu beenden, Ernährungssicherheit zu erreichen, die Ernährung zu verbessern und eine nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Die Schwestern Rosa Maria Trochez und Christine Garcia haben schon mehrmals an diesem Programm teilgenommen.

JCoR-Mitglieder haben eine schriftliche Erklärung bei der Kommission für die Rechtsstellung der Frau eingereicht, was eine gute Gelegenheit war, sich Gehör zu verschaffen. Um die Erklärung zu lesen, klicken Sie bitte auf den Link Willkommen – JCoR.  Auf der JCoR-Website finden Sie Ressourcen, die die Zusammenarbeit fördern und die Fähigkeit der Mitglieder stärken, die Ursachen einer nicht nachhaltigen Entwicklung zu bekämpfen.

 

Bitte merken Sie sich den Termin für den Livestream auf UNWebTV vor

Die dreiundzwanzigste Sitzung des Ständigen Forums der Vereinten Nationen für indigene Angelegenheiten findet vom 15. bis 26. April statt. Die offiziellen Sitzungen werden per Livestream übertragen.

Das Thema lautet „Stärkung des Rechts indigener Völker auf Selbstbestimmung im Kontext der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte indigener Völker: Hervorhebung der Stimmen der indigenen Jugend.“

Shalom/UN-NGO Newsletter ist eine Veröffentlichung der Armen Schulschwestern v.U.L.Fr.
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