DE – Reflexion (pdf 26 KB)

EN – Reflection (pdf 24 KB)

ES – Reflexión  (pdf 56 KB)

HU – Gondolatok  (pdf 60 KB)

JP – 省察 (pdf 24 KB)

PL – Refleksja (pdf  77 KB)

PT – Reflexão (pdf 55 KB)

Feier der Installation, 20. Januar 2024

Reflexion

Schwester M. Dominica Michalke, Generaloberin

Liebe Schwestern und Freunde hier in der Kapelle in Rom,
liebe Schwestern und Freunde an den unterschiedlichsten Orten, mit uns verbunden via livestream,

Wundern Sie sich? Ein Weihnachtsevangelium am Tag der Installation? Die Geschichte der Weisen, die dem Stern folgen? Der Grund ist, dass die Delegierten des Generalkapitels nach unserer Wahl jede von uns mit einem Stern verglichen und damit um den Segen Gottes baten: Wir wurden zum Polarstern, zum Stern von Bethlehem, zum Stern Abrahams, zu Stern Jakobs und zum Morgenstern.

Wegen dieses Symbols der Sterne wählten wir das Evangelium, in dem die Weisen dem Stern folgen, den sie beobachtet hatten.  Sterne rufen in uns unsere Sehnsucht nach Ewigkeit hervor, nach der Unendlichkeit von Raum und Zeit.  Diese Sehnsucht ließ die Sterndeuter handeln, ließ sie ihre Heimat verlassen. Sie taten sich zusammen und suchten den Weg. Unser Aufruf des 25. Generalkapitel zitiert aus Ihr seid gesandt: „das Verlangen, dass alle eins seien.“ Dies ist der Stern, der jede von uns ruft, den Weg zu entdecken, den Gott uns führen will.

Es ist faszinierend, dass das Licht der Sterne, das wir heute sehen, Hunderte oder Tausende von Jahren alt ist – wir messen sogar die Entfernung eines Sterns in Lichtjahren. Die meisten Sterne können wir mit bloßem Auge gar nicht sehen; und die meisten Sterne, die wir sehen, kennen wir nicht. Wir können vielleicht einige identifizieren und erkennen manche Sternbilder wie den Großen Wagen oder die Kassiopeia. Ebenso verstehen wir möglicherweise nicht jedes Detail von Gottes Ruf in unserem Leben. Nur wenn wir still stehen in Ehrfurcht und überwältigt sind von dem nächtlichen Sternenhimmel, können wir die vielen Sterne sehen, die Gott in unser Leben gestellt hat. Und eines Nachts werden wir vielleicht die besondere Botschaft des Sterns entdecken.

Im Evangelium sahen die Weisen nicht nur die Sterne und die einzigartige Konstellation zweier Planeten, die dreimal passierte.  Sie bewunderten nicht nur die Schönheit oder wunderten sich über das Ereignis, sondern sie verstanden die Botschaft. Sie waren gerufen und sie folgten dem Ruf –  deshalb werden sie weise genannt. Wir oft lehnen wir uns zurück und sind zufrieden mit dem, was gerade ist und was wir sehen? Sind wir offen für die Botschaft, für den Anruf, den wir wahrnehmen? Nur dann können wir prophetisch Zeugnis geben von dem liebenden Gott. Wir müssen uns bewegen, vielleicht mit kleinen Schritten, vielleicht nur in unserem Inneren, um neue Horizonte zu entdecken und verwandelt zu werden von dem liebenden Gott, der uns ruft – jeden Tag aufs Neue. Wir wollen Gottes Willen finden in unserem Leben, tagtäglich, nicht immer mit großen Schritten wie es der Beginn eines neuen Dienstes ist. Meistens wird der Wille Gottes in der alltäglichen Routine wahrgenommen oder manchmal als Überraschung, die an einem bestimmten Tag geschieht. Sind wir bereit, dem Stern zu folgen, der für jede von uns aufgegangen ist – wie uns Mutter Theresia in einem ihrer Briefe einlädt?

Der große deutsche Theologe Karl Rahner schrieb über diese Stelle des Evangeliums: „Die Weisen folgten dem Stern, und während ihre Füße die Schritte nach Bethlehem gingen, pilgerte ihr Herz zu Gott.“ Wir müssen die Schritte gehen – und zugleich müssen wir die Sehnsucht unseres Herzens nähren auf der Suche nach dem, was dahinter liegt, um die tiefere Wahrheit zu finden in dem, was wir tun. Wir wollen treu sein in unserem alltäglichen Leben – und wir wollen offen sein, um Gottes Botschaft zu finden, der in unserem Alltag spricht.

Die Weisen folgten dem Stern und waren froh, wenn sie ihn sahen. Sie mussten ja während des Tages ohne den sichtbaren Stern gehen. Nur in der Nacht konnten sie ihn wiedersehen. Auch in unserem Leben gibt es Zeiten, in denen wir den Stern nicht klar sehen, wenn wir nur gehen können im Vertrauen, dass dies die richtige Richtung ist. Aber wenn wir innehalten und der Dunkelheit erlauben, den Stern zu offenbaren, werden wir bestätigt werden, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unser Aufruf des 25. Generalkapitels drängt uns, einige neue Schritte zu wagen und andere bekannte Schritte fortzusetzen. Beides wird uns unter der Leitung des Heiligen Geistes in die Zukunft führen. Wir werden manchmal das Licht des Sterns für eine Weile vermissen, wir mögen zweifeln oder enttäuscht sein, aber wir sollten niemals aufhören, den nächsten Schritt zu suchen und nach dem Stern Ausschau zu halten. Wir sollten innehalten und den Horizont sehen in dem Wissen, dass sich dahinter neue Horizonte auftun, die wir noch nicht kennen. Mit jedem Schritt auf den Horizont zu wird er sich verändern und uns einladen, unseren Weg fortzusetzen.

Die Sterndeuter trafen sich unterwegs und gingen zusammen weiter. Wir sind einer Gemeinschaft beigetreten und haben unsere Gelübde in Gemeinschaft gesprochen. Niemand muss den Weg allein finden. Dieses Wissen um eine weltweite Gemeinschaft, geeint als Schwestern, mag uns in unserem Dienst unterstützen, gleich welche Aufgaben wir erfüllen. Die wichtige Frage ist, wie wir das tun, was wir tun. Brennt das Feuer der Liebe in unseren Herzen? Spüren wir noch die Energie der ersten Hingabe, geläutert durch die Jahre und die vielen Erfahrungen, die wir auf dem Weg machten? Lasst uns diese Schätze miteinander und mit anderen teilen wie es die Weisen taten: Sie brachten ihre Gaben zum Kind.

Und sie hörten weiterhin auf die Stimme Gottes. Es wurde ihnen gesagt, sie sollten auf einem anderen Weg heimkehren. Sie haben vielleicht nicht verstanden warum, aber sie gingen. Sie änderten ihre Pläne und hörten auf den Willen Gottes.

Am Ende des Prologs in Ihr seid gesandt ist jede von uns mit dem Zitat aus dem Johannesevangelium ganz klar eingeladen, Gottes Willen zu tun:

EN:         Do whatever God tells you.

DE:         Was Er euch sagt, das tut.

ES:          Haz lo que Dios te diga

HU:        Amit mond, tegyétek.

JP:          何でもこの人の言うとおりにして下さい。

PO:         Zrobcie wszystko, cokolwiek wam powie

PT:         Fazei o que Ele vos disser.