Internationale Solidarität Reflexion

Frieden und Gewaltfreiheit

Oktober 2018

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Einführung

„Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt” (Mt 5, 9). Die unzähligen Werke des Friedens, von denen es viele in der Welt gibt, zeugen von der natürlichen Berufung der Menschheit zum Frieden. Der Wunsch nach Frieden ist in jedem Menschen ein wesentliches Bestreben und fällt in gewisser Weise mit der Sehnsucht nach einem vollen, glücklichen und erfolgreichen menschlichen Leben zusammen. Mit anderen Worten, der Wunsch nach Frieden entspricht einem grundlegenden moralischen Prinzip, d.h. dem Recht/ der Pflicht einer integralen sozialen und gemeinschaftlichen Entwicklung, und dies ist Teil von Gottes Plan für den Menschen. Tatsächlich ist der Mensch für den Frieden geschaffen, der das Geschenk Gottes ist.

Aufruf zum Gebet

Allmächtiger und barmherziger Gott, Herr des Universums und der Geschichte, alles, was du erschaffen hast, ist gut und dein Mitgefühl für menschliche Fehler ist unendlich. Heute kommen wir zu dir mit der Bitte um Rettung der Welt und den Frieden unter seinen Bewohnern ohne die verheerenden Wellen des Terrorismus. Stelle die Freundschaft wieder her und flöße in die Herzen Deiner Geschöpfe das Geschenk der Verwandtschaft und die Bereitschaft zum Frieden. Amen.

Erfahrung

Genau eine Woche nach den Protesten, die zu Gewalt zwischen Brasilianern und venezolanischen Einwanderern führten, demonstrierten die Einwohner von Pacaraima, einer Stadt im Norden von Roraima (Brasilien) an der Grenze zu Venezuela, erneut.

Eine Protestkundgebung war in der Nähe des Busbahnhofs, an der Autobahn BR-174, die das Tor für Venezolaner in Pacaraima ist. Dies war der Ort, an dem in der vorausgegangenen Woche ein Protest brasilianischer Einwohner stattfand, nachdem ein älterer Händler von Venezolanern angegriffen und geschlagen worden war. Die Demonstration rückte entlang der Autobahn vor, wo die meisten Einwanderer zusammengedrängt waren, und endete mit Gewalt zwischen brasilianischen Demonstranten und Venezolanern, die auf der Straße waren. In nur einer Woche hatte sich das Klima in der Stadt verändert.

Der spanische Priester Jesús López Fernández de Bobadilla, der neun Jahre in Pacaraima gelebt hat, berichtete, dass der wachsende Konflikt zwischen Brasilianern und Venezolanern eine der größten Herausforderungen seines Lebens ist. Der Pfarrer traut der scheinbaren Ruhe in der Stadt nicht, denn es herrscht immer noch ein Klima der Intoleranz gegenüber Ausländern.

„Anscheinend ist es ruhig, aber es ist eine falsche, irreführende Ruhe“, sagte der Priester. „Ich vertraue ihr nicht, weil die Gewalt in den Köpfen der Menschen weitergeht. In ein paar Tagen hat sich nichts geändert. Die Wut gegen Venezolaner geht weiter. Offenbar ist sie verborgen, aber in jedem Moment wird sie wieder auftreten.“

Der Priester bedauert, dass Gewalt unschuldige Menschen wie Kinder berührt hat. Er weist darauf hin, dass keine Maßnahmen zur Verhinderung von Fremdenfeindlichkeit ergriffen wurden. „Diese Wut sollte sich gegen die Passivität der Behörden richten. Ich vertraue darauf, dass gutes Urteilsvermögen und gute Nachbarschaft zurückkommen und dass die Gewalt auf beiden Seiten beendet wird. Denn auf der Seite der Venezolaner gibt es auch Gewalt. Sie halten sich nicht an unsere Gesetze; es gab Raubüberfälle, Prostitution, Drogen. Und alles löst [Gewalt] aus“, sagte er. „Es gab keine Maßnahmen durch die Behörden, um diese Gewalt einzudämmen, oder sie waren sehr knapp.“  Von Débora Brito e Marcelo Camargo, 25/08/2018, Agência Brasil

Reflexion

Unsere Sendung ist es, die Frohe Botschaft als Arme Schulschwestern von Unserer Lieben Frau zu verkünden, unser ganzes Leben einzusetzen für jene Einheit, um derentwillen Jesus Christus gesandt war. Wie er gesandt war, der Welt die Liebe des Vaters zu offenbaren, so sind wir gesandt, Christus sichtbar zu machen durch unser Sein, durch die Liebe, den Glauben und die Hoffnung, die wir weiterschenken. (Ihr seid gesandt, Konstitution 4)
Wir sind gerufen und gesandt, die Menschen näher zu Gott und zueinander zu führen, wo immer wir sind: an jedem Ort, zu jeder Zeit, in jeder Situation. Durch dieselben Werte, Einstellungen und christlichen Grundhaltungen, die uns in der geistlichen Gemeinschaft der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau verbinden, fördern wir die Einheit aller Menschen. Je mehr wir durchdrungen werden von dem Verlangen Jesu, dass alle eins seien, umso umfassender wird unser Bemühen um die Einheit aller Menschen und der ganzen Schöpfung. (Ihr seid gesandt, Konstitution 9)
Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht. (Joh 14,27)
Selig, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt. (Mt 5, 9)
Lasst uns also dem nachjagen, was dem Frieden dient und der gegenseitigen Auferbauung. (Röm 14,19)
Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar. (Kol 3,15)

  • Was sagen mir diese Texte? Sehe ich mich selbst als eine Person, die Dialog und Frieden schafft? Welche Gabe muss ich pflegen?
  • Welcher Art von Gewalt sehen wir uns gegenüber an dem Ort, wo wir sind? Wie können wir Schulschwestern beim Aufbau des Friedens zusammenarbeiten? Welche Wege können wir als Provinz gehen?

Aktion

  • Vertiefen Sie das Bewusstsein für den Kampf gegen die Gewalt in all seinen Formen (Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung) in Gruppen, Schulen und bei Mitgliedern der Weggemeinschaft.
  • Zeigen Sie eine konkrete Geste der Verbundenheit gegenüber jemandem, bei dem die Beziehung schwierig ist.
  • Finden Sie kreative Wege, um zum Dialog und Frieden zu erziehen.

Schlussgebet

Nun, Herr, hilf Du uns! Schenke Du uns den Frieden, lehre Du uns den Frieden, führe Du uns zum Frie-den! Öffne unsere Augen und unsere Herzen, und gib uns den Mut zu sagen: „Nie wieder Krieg!“ Flöße uns den Mut ein, konkrete Taten zu vollbringen, um den Frieden aufzubauen. Schenke uns die Kraft, jeden Tag Baumeister des Friedens zu sein; schenke uns die Fähigkeit, alle Mitmenschen, denen wir auf unserem Weg begegnen, als Brüder und Schwestern zu sehen. Mach uns bereit, auf den Notschrei unserer Bürger zu hören, die uns bitten, unsere Waffen in Werkzeuge des Friedens zu verwandeln, unsere Ängste in Vertrauen und unsere Spannungen in Vergebung. Halte in uns die Flamme der Hoff-nung am Brennen, damit wir mit geduldiger Ausdauer Entscheidungen für den Dialog und die Versöhnung treffen, damit endlich der Friede siege. Amen.

Papst FranziskusAufruf zum Frieden, 8. Juni 2014

Vorbereitet von Schwester Karina Ubillus, Schwester Bernadete Loebens, Provinz Lateinamerika und die Karibik
für das Internationale Shalom-Büro, Rom, Italien
Grafik: Richtungweisende Erklärung, 24. Generalkapitel. Design: Kongregationsweites Kommunikationsbüro

 

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