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Internationale Solidarität Reflexion

Erziehung

Mai 2019

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„Mutter Theresia und Mutter Karolina waren überzeugt, dass Menschen und vor allem junge Frauen nur durch Bildung und Erziehung zu Selbstständigkeit, Selbstwertgefühl und persönlicher Freiheit gelangen und nur so die Gesellschaft verändern können. In Bildung und Erziehung erkannten sie die entscheidenden Mittel, Menschen zu befähigen, ihre Würde als Geschöpf und Abbild Gottes wahrzunehmen. Diese pädagogische Idee revolutionierte die damals übliche Erziehungspraxis und schuf die Grundlage für eine moderne Erziehung,“ (Im Spiegel des Charismas: Unser Selbstverständnis und die Verwandlung unseres Lebens in der Sendung als Arme Schulschwestern von Unserer Lieben Frau, 2007, S.18) 

Martin Luther betonte, dass wir nur durch Bildung unsere Gaben und unsere Berufung, unsere individuelle Berufung entdecken. Das ist vielleicht das wichtigste Ziel der Bildung: jungen Menschen zu ermöglichen, ihre Talente und Interessen, ja ihren Daseinszweck für die Welt, zu entdecken. Die Erziehung im Kindesalter sollte so gestaltet sein, dass sich das Kind seiner eigenen Gaben und seiner Berufung bewusst wird. Bildung an höheren Schulen sollte für alle möglich sein, die sie bekommen möchten, unabhängig von ihrem sozioökonomischen Status. (Marilyn J. Harran, “Reflections on Martin Luther and Childhood Education”, Journal of Lutheran Ethics, Ausgabe 4, Januar 2004)

Nana Akuffo-Addo, der derzeitige Präsident in Ghana, ist einer der mutigsten und visionärsten Präsidenten, da er den kostenlosen Besuch der Oberstufe eingeführt hat. Dieses Programm ermöglicht Bildung und umfasst auch die Kosten für alle Mahlzeiten, Schuluniformen, Internate, Labornutzung und andere Vorteile für Schüler. Die hier betonten Stichworte: ZUGANG, GERECHTIGKEIT und QUALITÄT von Bildung und Erziehung unterstreichen die Grundsätze, nach denen die Politik den Zugang zu Bildung verbessern soll.
Die Regierung ist bestrebt, für eine faire und gerechte Gesellschaft zu sorgen, in der für alle Menschen gleiche Chancen bestehen, unabhängig von den familiären Umständen. Die konkrete Umsetzung steht vor vielen Herausforderungen wie der unzureichenden Einrichtung von Internatsschulen und Klassenräumen. Infolgedessen haben einige Schulen auf ein Schichtsystem zurückgegriffen, um die Überlastung von Schlafsälen und Klassenzimmern zu verringern. Die Schüler werden in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe (der sogenannte grüne Trakt) kommt für vier Monate in die Schule und geht nach Hause, um zu pausieren. Die zweite Gruppe (Goldtrakt) kommt dann zur Schule. Bei Tagesschülern müssen Eltern, wenn die Entfernung zu weit ist, ein Zimmer für den Schüler mieten, damit er allein oder mit anderen Tagesschülern darin wohnen kann. Dies gefährdet junge Frauen. Zehn Prozent der jungen Frauen im ersten Jahr der Studentenschaft müssen Tagesschülerinnen sein, während 20% der männlichen Bevölkerung Tagesschüler sein müssen.

 

Aufruf zum Gebet

Wir erziehen, erheben unsere Stimme und setzen uns gemeinsam mit anderen ein für die Würde des Lebens und die Bewahrung der Schöpfung. (ISG K9, 17: GD 19; Richtungweisende Erklärung, 24. Generalkapitel, Okt. 2017)

Erfahrung

Elizabeth, ein Mädchen von fünfzehn Jahren, ist eine Schülerin der Notre Dame Girls Senior High School. Sie lebt mit ihrer Tante in einem Dorf namens Kurosua Nr. 2. Elizabeth kam mit fünf Jahren zu ihrer Tante. Ihre Tante hat zehn Kinder, also ist Elizabeth das elfte Kind, für das die Tante sorgt. Elizabeth fand es sehr schwierig, über die Runden zu kommen und für ihre persönlichen Bedürfnisse zu sorgen und ihre grundlegenden Unterrichtsmaterialien in der Schule zu beschaffen. Es gelang ihr jedoch, ihre Grundschulausbildung abzuschließen.
Sie erklärte, es habe Tage gegeben, an denen sie sich von der Schule abmelden musste, weil sie mit ihrer Tante auf der Farm arbeiten musste, bis die Ernte beendet war. So konnte sie Geld verdienen, um Bücher zu kaufen. Diese Fehlzeiten hatten offensichtlich Auswirkungen auf ihre Leistungen im Unterricht. Eliza-beths Tante hat eine große Leidenschaft für Bildung und möchte wirklich, dass ihre Nichte eine Ausbildung bekommt, aber sie muss viele Stunden arbeiten, um die grundlegenden Bedürfnisse ihrer zehn Kinder und ihrer Nichte zu sichern.
Elizabeth sollte sich am 8. November 2018 in der Schule melden, um das kostenlose akademische Jahr 2018/2019 zu beginnen. Sie konnte sich zu dem genannten Datum nicht melden, weil ihr Vormund das Fahrgeld und andere Materialien für ihren Schulaufenthalt nicht aufbringen konnte. Sie erschien schließlich drei Monate später mit ihrer Tante in der Schule, einige Gegenstände in ihrer Tasche, ein Stück Seife und ein nicht vorgeschriebenes Bettlaken. Als sie gefragt wurde, warum sie sich zu spät gemeldet hatte, erzählte sie ihre Geschichte.
Als sie ihre traurige Geschichte hörte, interessierte sich die Schulgemeinschaft für sie und begann, die Materialien zu organisieren, die sie zum Lernen benötigte. Eine Lehrerin musste sie beherbergen, bis alles besorgt war und sie in das Internat einziehen konnte. Eine der Schwestern erzählte ihre Geschichte in ihrer Gemeinschaft. Sie organisierten ein paar Sachen, waren für sie da und versprachen Unterstützung. Elizabeth musste das Unterrichtsprogramm, das sie ursprünglich ausgewählt hatte, ändern, da sie sich zu spät für das Programm gemeldet hatte und nicht in der Lage war, aufzuholen.
Obwohl die Regierung den Zugang zur Senior High School für alle kostenlos gemacht und so den Zugang ermöglicht hat, bleibt die Realität für Elizabeth und für Schülerinnen, die unter ähnlichen Bedingungen leben, eine Herausforderung für sie. Es ist ihr Wunsch und sie betet darum, dass sie die Mittel finden wird, einen Abschluss zu machen.

Reflexion

Angesichts der Armut Elizabeths entsteht der Gedanke, dass es in Ghana und auf der ganzen Welt viele weitere Schüler gibt, die wegen ihrer Armut nicht zur Schule gehen können. Auch wenn die Grundschule und das Gymnasium möglicherweise kostenlos sind, kämpfen viele Eltern und Vormünder darum, die grundlegenden und wichtigsten Materialien für ihre Schutzbefohlenen zu beschaffen, damit sie zur Schule gehen können. Die große Frage ist hier, wie wir die Armut in unserer Gesellschaft verringern können, um der ärmsten Person im kleinsten Dorf zu helfen, eine formale Bildung zu erlangen oder sogar irgendeine Ausbildung, die ihr dabei hilft, ihr /sein Lebenspotential zu erreichen. Die selige Theresia und Mutter Karolina wussten, dass Bildung ein kraftvolles und anregendes Werkzeug ist, das die Frau stärken kann, ihr Selbstwertgefühl und ihre Selbstachtung erhöht und möglicherweise für sie und ihre Familie ein besseres Leben ermöglicht. Mögen alle weiterhin Gott anflehen, die Herzen der Menschen zu öffnen, um auf die alltäglichen Erlebnisse zu reagieren, die alle dazu auffordern, die Armut zu beseitigen, damit Bildung unsere Welt verändern kann.

Aktion

  • Nehmen Sie sich Zeit und überlegen Sie, was es bedeutet, aus der Schule genommen zu werden, weil Ihre Eltern Schulgebühren oder grundlegende Lernmaterialien nicht bezahlen können.
  • Suchen Sie eine arme Gemeinde auf und unterstützen Sie die bedürftigen Kinder in dieser Gegend.
  • Beten Sie für die verarmten Völker der Welt, dass ihnen geholfen werden kann, die Herausforderungen zu meistern, die sich ihnen stellen.

 

Schlussgebet

Guter Gott, wir wissen, dass die Ressourcen ungleichmäßig verteilt sind, und dennoch erwerben wir Reichtum auf Kosten der Armen. Hilf uns, auf die Stimmen zu hören, die uns herausfordern, unser Herz dem Dienst am Volk Gottes, an den Armen Gottes zu widmen. Dies erbitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen.

Möge Gott uns alle segnen.

Vorbereitet von Sr. Emelia Ayambire SSND, Provinz Afrika, für das Internationale Shalom-Büro, Rom, Italien
Grafik: Richtungweisende Erklärung, 24. Generalkapitel. Design: Kongregationsweites Kommunikationsbüro

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