Internationale Solidaritätsreflexion

Friede und Gewaltfreiheit

Einführung

Der Schrei der Erde und der Schrei der Armen erreicht Gottes Herz und bricht unsere Herzen auf, indem er uns herausfordert, „Nein“ zu sagen zu Gewalt, die unsere Welt heimsucht, und „Ja“ zu sagen zu Menschenwürde und zum Respekt vor der Bewahrung der Schöpfung. Wir sollten unserem Schweigen, unserer Komplizenschaft und unserer Gleichgültigkeit mit Eifer für Frieden und Gewaltlosigkeit entgegentreten. Hört alle den demütigen Appell des Nachfolgers Petri, der laut ruft: Heute noch, …, ist der Friede möglich. Und wenn der Friede möglich ist, dann ist er auch geboten!(Papst Johannes Paul II., XXXVI. Weltfriedenstag 2004 , „Frieden lehren“). Mit dem Segen von Papst Franziskus:Allen entbiete ich meine besten Wünsche, damit das kommende Jahr die Menschheit auf dem Weg der Geschwisterlichkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens zwischen Menschen, Gemeinschaften, Völkern und Staaten voranbringen kann. (Weltfriedenstag 2021), gehen wir als Frauen und Männer der Hoffnung, des Friedens und der Liebe ins Herz der Welt.

Aufruf zum Gebet

Bitten wir den Herrn, dass jedes auf der Erde lebende Geschöpf Frieden in unserem gemeinsamen Haus als ein Oikos erfahren kann:

  • Frieden ist ein Haus, in dem Lachen zu hören ist.
  • Frieden ist die Vergebung der Sünde.
  • Frieden ist die Heilung der Seele.
  • Frieden ist eine Mauer, die niedergerissen werden kann.
  • Frieden ist die Umarmung fremder Hände.
  • Frieden ist das Auslöschen einer Flamme gerade noch rechtzeitig.
  • Frieden ist, durch den Himmel zu fliegen.
  • Frieden ist Teil der Welt zu werden.
    (vgl. Piotr Rubiks Lied, Litanei der vier Jahreszeiten )

Erfahrung

Es gibt mehr als 200 Länder auf der Welt und ein Vielfaches von ethnischen, nationalen und Stammesgruppen mit eigenen Interessen und Zielen, die gemeinsam oder unterschiedlich sein können. Bei Divergenzen von Interessen und Zielen kann es zu Konflikten kommen. Konflikte sind in der Regel komplex und es gibt viele Ursachen für Konflikte, wirtschaftliche, politische oder ideologische Faktoren. Wirtschaftliche Faktoren können den Zugang zu den natürlichen Ressourcen Öl und Wasser umfassen. Ideologische Faktoren haben ihre Wurzeln in vergangenen Konflikten wie dem Kalten Krieg. Ein Beispiel für den religiösen Faktor sind die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten. Darüber hinaus können Konflikte aufgrund externer Einmischung, Aufrüstung oder des Bestrebens regionaler Mächte nach Vorherrschaft, sowie aufgrund von Streitigkeiten um die Kontrolle natürlicher Ressourcen, wirtschaftlicher Macht, aufgrund von politischem Interesse, Terrorismus und religiösem Fanatismus entstehen.

Leider haben alle Konflikte ihre Folgen, wie Bevölkerungsverluste, unkontrollierte Migration, Überrüstung, Kindersoldaten, wirtschaftlicher Zusammenbruch, eine wachsende Flüchtlingswelle und soziale Pathologien (z. B. Drogensucht und Aggression, die in vielen Fällen zu zerrütteten Häusern/Familien führen. (Quelle: Bildungsplattform des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft/PL)

Einige zerrüttete Familien haben möglicherweise nicht das Glück, ihre Konflikte zu lösen, wie dies bei einer Familie in einer der Pfarreien der Fall ist, in denen wir Schulschwestern arbeiten. Diese Familie hat eine schwierige Erfahrung gemacht. Nachdem der Ehemann über 20 Jahre mit seiner Frau zusammen war, beschloss er, seine Familie zu verlassen. Die Frau und die Kinder haben sich in dieser Situation bewundernswert verhalten. Sie verziehen und ließen dem Vater die Wahlfreiheit. Sie beteten und empfingen die Sakramente. Sie baten auch andere, für sie zu beten. Ständig zeigten sie dem Ehemann und Vater Liebe und Respekt. Der Kampf dauerte mehrere Monate. Ein Wunder geschah! Der Ehemann verzichtete darauf zu gehen, entschuldigte sich bei seiner Frau und seinen Kindern und kehrte zu einem sakramentalen Leben zurück. Der wichtigste Wert für diese Familie ist heute Gott und die Bewahrung der ehelichen Einheit.

 Welche Erfahrungen habe ich mit Frieden und Gewaltfreiheit gemacht?

  1. Lesen Sie „Erziehung für die Allianz zwischen Mensch und Umwelt“ in LS, 209-211 und sprechen Sie über: Welche „festen Tugenden“ entwickeln wir in uns selbst, wenn wir uns um alle Geschöpfe in unserem gemeinsamen Haus kümmern?
  2. Was können wir tun, um zu einem „ökologischen Bürgertum“ (LS, 211) zu erziehen und uns dafür einzusetzen?

Reflexion

Angesichts dieser Realität fühlen wir uns vielleicht hilflos. Es ist jedoch wichtig zu überlegen, wie wir Frieden in unserer Umgebung aufbauen können, wie wir die Haltung unseres Herzens formen können. Johannes Paul II. erklärte: Aus diesem Grund habe ich Christen und alle Menschen guten Willens oft daran erinnert, dass Vergebung nötig ist, um die Probleme von Einzelpersonen und Völkern zu lösen. Es gibt keinen Frieden ohne Vergebung!Papst Johannes Paul II. Weltfriedenstag 2004

Unsere Konstitution und unser Generaldirektorium erinnern uns daran:

Wir sind gerufen, unseren Beitrag zu der in der Welt herrschenden Ungerechtigkeit einzugestehen, vor allem zu jener, die von dem ungeordneten Verlangen nach Macht, Ehre und Besitz herrührt. Durch Gottes Gnade können wir diesen Bestrebungen widerstehen und in uns und in der Gesellschaft eine Haltung der Demut und eine Bereitschaft zum Teilen fördern, um eine gerechtere und menschlichere Welt aufzubauen.“ (ISG, GD22)

„In unserer Haltung des Zuhörens und der Offenheit folgen wir Maria. Sie bewahrte das empfangene Wort in ihrem Herzen … (ISG, K 32)

Aktion

  • Wie reagiere ich auf das Böse in der Welt, in der Gemeinschaft, in mir selbst?
  • Inwiefern bin ich ein dialogfähiger und friedlicher Konfliktlöser?
  • Wie höre ich zu und bin offen für die „Andersartigkeit“ der Menschen, die ich täglich treffe?
  • Baue ich Frieden um mich herum oder zerstöre ich ihn eher?
  • Was kann ich konkret dort, wo ich bin, für den Frieden tun? (Gebet, Vergebung, ein Telefonat, ein Lächeln, ein kleiner Akt der Freundlichkeit…)

Schlussgebet

Schaffe in uns, o Herr, ein reines Herz und schenke uns die Fülle des Lebens in Liebe, in der gegenseitigen Güte und Barmherzigkeit, die wir von dir erfahren. Möge unsere Barmherzigkeit auch unsere Feinde umfassen, denn sie sind auch deine Kinder und unsere Brüder und Schwestern. Möge dein Reich der Liebe und Gemeinschaft uns alle umfassen! Amen.

Ein Auszug aus dem Gebet der Vergebung  

Vorbereitet von Schwester M. Natalia, Provinz Polen, für das Internationale Shalom-Büro Grafik aus der Richtungweisenden Erklärung des 24. Generalkapitels. Design: Kongregationsweites Büro für Kommunikation