Internationale
Solidaritätsreflexion

Bildung für Alle

Mai 2021                                                            pdf    166 KB

Einführung

Der Ausbruch von COVID-19 auf globaler Ebene ist ein Problem der öffentlichen Gesundheit. Es ist jedoch auch ein Wendepunkt in der Bildung, der uns zu anderen Wegen führt, Bildung zu vermitteln und „auf einen anderen Lebensstil hinzuweisen“, zu dem Laudato Si‘ (LS 203-208) uns aufruft.  Die Pandemie hebt viele Krisen hervor, einschließlich anthropologischer und ökologischer Spaltungen. Viele Studenten waren nicht in der Lage, ihr akademisches Studium fortzusetzen und/oder ihre Erkenntnisse auf ihre aktuellen Lebensherausforderungen anzuwenden. Wie die selige Maria Theresia von Jesu Gerhardinger „erziehen wir in der Überzeugung, dass durch eine Änderung der Menschen die Welt verwandelt werden kann“ (ISG, K 22). Wir müssen uns vernetzen und unsere menschlichen und technologischen Bindungen nutzen, um die am stärksten gefährdeten Kinder, Jugendlichen und jungen Menschen in unseren lokalen Gemeinschaften zu erreichen, „indem wir ihnen helfen, ihre Gaben einzusetzen, um die Erde menschenwürdig zu gestalten“ (ISG, K 22).

Aufruf zum Gebet

Gott, Quelle aller Weisheit und Erkenntnis, gewähre uns die Gnade, Kinder, Jugendliche und junge Menschen einzuladen und vorzubereiten, mündige ökologische Bürger zu sein, um sie zu einem würdigen und qualitativ hochwertigen Leben zu führen! Möge unsere Erziehung gemäß dem Erbe der seligen Maria Theresia von Jesu solide und genau sein und zu größerer Gerechtigkeit und Solidarität für diejenigen führen, denen wir dienen!

Erfahrung

Zwei Ansichten darüber, wie die Pandemie die Bildung verändert hat:

Ich bin Emília Viviane Ferreira Porfírio, eine Lehrerin der 5. Klasse an einer Privatschule in der Stadt Cajazeiras im Hinterland von Paraíba. Mit dem Ende des traditionellen Klassenunterrichts musste ich plötzlich Technologien einsetzen, die mir fremd waren. Als Lehrerin habe ich viele Hindernisse überwunden, z. B. vier Videos pro Tag produziert und Cartoons und Avatare[1] erstellt, um meine Schüler bei der Bewältigung ihres Unterrichts zu unterstützen. Neben all den beruflichen Herausforderungen musste ich lernen, mit der Angst, Unsicherheit und Einsamkeit umzugehen, die durch Isolation verursacht wurden. Was mir geholfen hat, alle Herausforderungen zu meistern, war die Hoffnung, die aus dem Gebet, der Unterstützung von Kollegen, Freunden, der Familie und der Freundlichkeit der Schüler resultiert. Einer kam zu Beginn der Pandemie mit einer Blumenvase zu mir nach Hause und sagte: „Lehrerin, ich habe dir Blumen gebracht, damit du dich nicht allein fühlst.“ Ich kultiviere immer noch diese Blumen in meinem Hinterhof, um mich daran zu erinnern, dass all dies eines Tages vergehen wird.

 

Ich bin Liziane Silva Hillesheim, pädagogische Koordinatorin des Projekts für Menschen mit Behinderungen Rumo Norte in Porto Alegre, Brasilien. Dieses Projekt zeichnet sich durch Vielfalt aus. Wir dachten, wir wären mit der Arbeit in typischen Situationen vertraut. Mit der Pandemie standen wir vor einer neuen Welt voller Herausforderungen. Das Home-Office hat uns klar gemacht, dass wir für die Technik nicht bereit waren, noch war sie für uns vorbereitet. Wir haben unterschiedliche Ausgrenzungsstufen erlebt, z. B. den Mangel an zugänglichen Plattformen und Veranstaltungen, Ausrüstung, Internetplänen und familiärer Unterstützung.

Eine soziale Bildungseinrichtung wie unsere ist es gewohnt, nach draußen zu schauen, die Gesellschaft zu „lesen“ und aufzunehmen, was von dort kommt. Die große Lehre aus der Pandemie ist, dass wir auch in uns selbst schauen müssen. Neben der unaufhörlichen Suche nach Möglichkeiten, jungen Menschen und Erwachsenen mit Behinderungen weiterhin kostenlose Hilfe anzubieten, konzentrieren wir uns auch darauf, mehr miteinander verbunden zu sein und der neuen Welt, die sich jetzt zeigt, besser begegnen zu können. Schritt für Schritt machen wir mit Versuch und Irrtum Fortschritte. Unser Ziel, fruchtbarer Boden zu sein, geht weiter. Unsere Samen sind vielfältig und blühen, und das ist nur eine weitere Saison.

Reflexion

  1. Wie sind wir – in dieser Zeit der COVID-19-Pandemie – Pädagogen in allem, was wir sind und tun?
  2. Welche Erfahrungen oder Erkenntnisse habe ich in dieser Zeit der Isolation gemacht, die ich mit der Gruppe/Gemeinschaft teilen möchte? (Nehmen Sie sich Zeit für den Austausch von Reflexionen.)
  1. Lesen Sie in LS, 209-211, „Erziehung zum Bündnis zwischen der Menschheit und der Umwelt“ und führen Sie Dialog über die Frage: Welche „soliden Tugenden“ entwickeln wir in uns selbst, wenn wir uns um alle Kreaturen in unserem gemeinsamen Zuhause kümmern?
  2. Welche Maßnahmen ergreifen wir, um mündige, „ökologische Bürger“ zu erziehen (LS, 211)?

Aktion

  1. Finden Sie heraus, wie viel Engagement für das Ziel 4 für nachhaltige Entwicklung, „Bildung von hoher Qualität für alle“, in Ihrem Land erreicht wurde! Sie können erwägen, die Behörden dazu zu zwingen, die Versprechen zu erfüllen, die sie in Bezug auf eine qualitativ hochwertige Bildung für alle gemacht haben.
  2. Unterstützung des von Papst Franziskus vorgeschlagenen Global Education Compact (Globaler Bildungspakt), der alle dazu auffordert, sich einzusetzen für Würde und Menschenrechte, integrale Ökologie unter dem Gesichtspunkt von Laudato Si‘ sowie Frieden und Staatsbürgerschaft, Solidarität und Entwicklung.
  3. Ziel des Netzwerks der assoziierten Schulen der UNESCO ist es, dass das Verständnis von Frieden in den Köpfen von Kindern und Jugendlichen größer wird. Es gibt über 11.500 Mitgliedsschulen in 182 Ländern, die sich für internationales Verständnis, Frieden, interkulturellen Dialog, nachhaltige Entwicklung und qualitativ hochwertige Bildung in der Praxis einsetzen. Sie können erwägen, mehr über das Netzwerk zu erfahren und seine Ziele in Ihren Dienst einzubeziehen oder mit diesem Netzwerk zusammenzuarbeiten.

 Schlussgebet
Wir beten im Wechsel:

Alle: O göttliche Weisheit, in diesem kritischen Moment in der  Heilsgeschichte der Schöpfung und der Menschheit hören wir den Wunsch zu vertrauen und zu wagen.

  • Wir bemühen uns um Demut, um zu lernen und uns zu verwandeln.
  • Wir suchen im Beispiel der Göttlichen Dreifaltigkeit nach der theologischen Bedeutung des Zusammenlebens.
  • Wir schaffen Einheit in der Verschiedenheit als prophetisches Zeichen in der heutigen Welt.
  • Wir weiten unser Verständnis von Interkulturalität und verpflichten uns, unsere Fähigkeiten zu interkulturellem Leben in der Gesellschaft zu entwickeln.
  • Wir wagen als Erzieher innovative Antworten in einer Welt des schnellen Wandels, der von der Technologie beeinflusst wird.
  • Wir erziehen gemeinsam mit anderen für die Würde des Lebens und der Bewahrung der ganzen Schöpfung.

 

Alle: Wir versuchen, die dringenden und kritischen Anliegen herauszufinden, auf die wir antworten müssen, und wagen durch den Atem des Heiligen Geistes, auf ungewöhnliche Weise mutig zu reagieren. Amen!

Schwester Maria Josete Rech (ALC) Brasilien, für das Internationale Shalom Büro

Grafik: Richtungweisende Erklärung, 24. Generalkapitel.   Design: Kongregationsweites Kommunikationsbüro.

[1] Avatar: künstliche Person oder eine Grafikfigur, die einem Internetbenutzer in der virtuellen Welt zugeordnet wird

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