Internationale Solidaritätsreflexion

Migranten and Flüchtlinge

Januar 2021   (print to pdf  360 KB)

Einleitung

„Stellen Sie sich eine Welt vor, in der Ihre Nationalität nicht so wichtig ist wie Ihre Menschlichkeit.“ (Daniel, Flüchtling, Jesuit Refugee Service UK.)

Am Sonntag, den 27. September 2020, feierte Papst Fran-ziskus den 106. Welttag der Migranten und Flüchtlinge. In seiner Botschaft mit dem Titel „Wie Jesus Christus zur Flucht gezwungen. Aufnahme, Schutz, Förderung und In-tegration der Binnenvertriebenen“ ging er auf die Bedürf-nisse derjenigen ein, die von der Gesellschaft verworfen werden. (Papst Franziskus)

Aufruf zum Gebet

Der barmherzige, lebensspendende Schöpfer vertieft in uns die Erkenntnis, dass Jesus selbst der Unsi-cherheit und Tragödie der Flucht ausgesetzt war, damit wir die Probleme sehen, mit denen so viele in unserer heutigen Welt konfrontiert sind. Mögen wir wie Papst Franziskus „in den Gesichtern der Hung-rigen, Durstigen, Nackten, Kranken, Fremden und Gefangenen … das Antlitz Christi sehen, der uns um Hilfe bittet“. (Papst Franziskus) Im Geiste von Mutter Theresia möge jede von uns tun, was Gott uns sagt, wenn wir auf diese schlimme Situation in unserer Welt reagieren. (Vgl. ISG, GD 30)

Erfahrung

„Wenn wir über Migranten und Vertriebene sprechen, hören wir allzu oft bei Statistiken auf. Es geht aber nicht um Zahlen; es geht um echte Menschen!“ (Papst Franziskus) „Nie zuvor in der Geschichte hat uns das gemeinsame Schicksal dazu veranlasst, einen Neuanfang zu versuchen: … eine neue Ehrfurcht vor dem Leben … eine neue Ehrfurcht vor Gerechtigkeit und Frieden.“ (Erdcharta) Bis Juli 2020 wurden weltweit fast 80 Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben. 26 Millionen mussten ganz aus ihrem eigenen Land fliehen … und wurden Flüchtlinge. Warum? Wegen Krieg, Gewalt, Überschwem-mungen, Dürre. (Norwegischer Flüchtlingsrat für 2019) Fakten und Zahlen aus der ganzen Welt zeigen, dass es weltweit 26 Millionen Flüchtlinge gibt, die Hälfte davon, 13 Millionen, sind Kinder. 85% der Flücht-linge werden in Entwicklungsländern aufgenommen, die bereits Schwierigkeiten haben, für ihre eige-nen Bürger zu sorgen. 1,4 Millionen Flüchtlinge müssen jetzt umgesiedelt werden. (World Vision; UN Nach-richten)

„Viele europäische Länder deportieren Asylsuchende zurück in Länder, in denen sie gefoltert, verge-waltigt oder sogar getötet werden könnten.“ (Jetzt ist die Zeit gekommen: Amnesty International) Einige depor-tieren sie in winzige Offshore-Internierungslager auf kleinen Inseln, einige sind kleiner als viele Flughä-fen. Das Ergebnis – hohe Zahlen an psychischen Traumata, Selbstverletzungen und Selbstmordversuche bei Erwachsenen und Kindern! (Naura: Australiens Schande und eine Warnung für Europa: Amnesty International)

Reflexion

Jeden Tag verlassen Menschen auf der ganzen Welt ihre Häuser auf der Suche nach einem sichereren und besseren Leben. Nach der Zerstörung von „The Jungle“, einem Flüchtlingslager in Frankreich, im Jahr 2017 verschlechterten sich die Bedingungen für schutzbedürftige Menschen, die auf sichere Le-bensbedingungen hoffen, im Norden des Landes. Lokale Politiker erklärten es als illegal, in bestimmten Gebieten Lebensmittel bereitzustellen. Die französische Bereitschaftspolizei überwachte, befragte und störte Freiwillige während der Verteilung von Nahrungsmitteln an den neu zugelassenen Flüchtlingsor-ten. Laudato Si‘ erklärt, dass wir uns nicht um den Rest der Natur kümmern können, „wenn nicht zu-gleich im Herzen eine Zärtlichkeit, ein Mitleid und eine Sorge um die Menschen vorhanden ist.“ (Laudato Si‘,# 91) Die Schulschwestern setzen sich für die Förderung der Menschenwürde und den Schutz der Verwund-baren ein. „Wir erziehen, erheben unsere Stimme und setzen uns gemeinsam mit anderen ein für die Würde des Lebens und die Bewahrung der Schöpfung.“ (Richtungweisende Erklärung, 24. Generalkapitel Die Liebe gibt alles).
Aktion
„Wir müssen die Überzeugung zurückgewinnen, dass wir einander brauchen, dass wir eine Verantwor-tung für andere und für die Welt haben.“ (Laudato Si‘ 229; Rundschreiben des Generalrates 17/2020) Hier einige Vorschläge, wie wir und diejenigen, denen wir dienen, reagieren können: •Fragen Sie, woher die Leute kommen und warum.•Wie viele Kinder, Studierende, haben Flüchtlinge oder Migranten unter ihren Vorfahren?•Verfolgen Sie die Geschichte der Flüchtlinge in Ihrem Land.•Lernen Sie, einige Dinge in einer neuen Sprache zu sagen.•Schulchöre könnten ein Lied über die Aufnahme von Flüchtlingen schreiben.•Informieren Sie sich über 5 Fakten, die Flüchtlinge betreffen•St. Alban ist der Schutzpatron der Flüchtlinge. Sein Fest ist der 22. Juni. Was können wir von ihm lernen?•Was ist der Unterschied zwischen Migranten und Flüchtlingen?•Unterschreiben Sie eine Petition, ergreifen Sie Maßnahmen vor Ort und fordern Sie die Regierung auf, die Verpflichtungen zur Ansiedlung von mehr Migranten und Flüchtlingen einzuhalten.•Beten Sie täglich ernsthaft für Migranten, Flüchtlinge und Vertriebene und beachten Sie Folgendes: Hinter den Zahlen stehen Menschen, die mit einzigartigen Lebenserfahrungen und Träumen für die Zukunft gefüllt sind. Es sind Mütter, die sich danach sehnen, nach Hause zurückzukehren, Väter, die sich danach sehnen, wieder zu arbeiten, Kinder, die nach einer Kindheit suchen. “ (Mercy Corps1)
Schlussgebet
Heiliger Alban, Du hast uns ein Beispiel für Gastfreundschaft gegeben, indem du dein Zuhause für Be-dürftige geöffnet hast, und durch diese Begegnung bist du völlig verändert worden. Wir bitten, dass wir durch deine Fürsprache und im Geiste der seligen Theresia von Jesu mutig sein mögen, denen zu helfen, die auf der Suche nach Sicherheit gezwungen sind, aus ihrer Heimat zu fliehen. Mögen „wir uns und andere dazu aufrufen, die Werte des Evangeliums und die Soziallehre der Kirche zu leben.“ (ISG GD 33a) Mögen unsere Erfahrungen während der Pandemie uns nicht nur helfen, uns in die Erfahrungen von Flüchtlingen und Migranten hineinzuversetzen, sondern mögen sie auch einen anhaltenden Ruf nach Veränderung verstärken! Dies erbitten wir in Jesu Namen. Amen.

1 internationale Hilfsorganisation

Vorbereitet von Paulette Tomlinson SSND, Shalom Contact, Atlantic Midwest Province für das Internationale Shalom-Büro, Rom, Italien

Grafik: Richtungweisende Erklärung, 24. Generalkapitel. Design: Kongregationsweites Kommunikationsbüro

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