Die Liebe gibt alles

Internationale Solidarität Reflexion

Bewahrung der Schöpfung

September 2020

pdf to print (66 KB)

Einführung

‚Bewahrung der Schöpfung‘ – wenn wir über dieses Thema nachdenken, fällt uns gerade jetzt zur Zeit der Corona-Pandemie noch mehr auf, wie eng alles, was existiert, miteinander verbunden ist: Ackerbau, Umwelt- und Klimaschutz, Mobilität, und und und, … und Fazit allen Nachdenkens ist, dass es bei Bewahrung der Schöpfung um rechte und gerechte Beziehungen zur Erde und zu allen Geschöpfen gehen muss. Wir alle sind aufgerufen, unseren aktiven Beitrag zu leisten.

Aufruf zum Gebet

Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. (Gen 1, 31)

Erfahrung

Täglich hören wir von unterschiedlichen Umweltzerstörungen, Missachtung des Lebens, Missachtung der Menschenwürde. Aber gibt es nicht auch Initiativen, die uns ermutigen, die uns jubeln lassen, weil es vielleicht doch noch eine Chance für eine gute Zukunft gibt? Seit Fridays for Future müssen viele Politiker neidlos anerkennen, dass sich junge Menschen intensiv mit klimapolitischen Missständen auseinandersetzen und zum Handeln ermahnen.

Vor einigen Jahren wurde in unserer Bayerischen Provinz in Kooperation mit dem Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern das Projekt ‚Gelebte Schöpfungsverantwortung‘ initiiert. Erfreulich ist, dass dieses Projekt von den Kleinsten in unseren Einrichtungen bis hin zu Erwachsenen getragen wird, dass Mitarbeiter*innen in den Kindergärten, Lehrerkollegien und viele Eltern sich engagieren. Eine Chance für unsere gemeinsame Zukunft, unser gemeinsames Haus?

Dass ein solches Projekt zu einem altersgerechten, verantwortungsvollen und achtsamen Umgang mit der Schöpfung anregen und befähigen kann, zeigen die unterschiedlichen Aktionen.

  • So wurde zum Beispiel im Kindergarten St. Theresia Geisenfeld täglich ein achtsamer und nachhaltiger Lebensstil eingeübt, angefangen beim Sparen von Energie, Wasser, Plastik, Papier bis hin zum gemeinsamen Herstellen von gesunden Mahlzeiten, Marmeladen und vieles mehr.
  • In der Theresia-Gerhardinger-Grundschule am Anger waren die Kinder aller Jahrgangsstufen in unterschiedliche Projekte eingebunden wie z.B.: dem Sammeln von Handys, dem Upcycling von alten Kleiderbügeln, dem Energie-Sparen, der Plastik- und Müllvermeidung, Umwelttagen in Benediktbeuern und Projekten zum Thema Schöpfung.
  • In der Mädchenrealschule Regensburg-Niedermünster war die Begeisterung für das Projekt deutlich zu spüren. Hier nur ein kleiner Einblick in die Vielfalt der Projekte: So wurde die Schule mit dem Fair-Trade-Siegel der Stadt Regensburg ausgezeichnet, mehrmals im Jahr veranstalten die Schülerinnen die ‚Gesunde Pause‘ mit Verkauf von regionalen Obst- und Gemüsesnacks, Umwelthefte aus dem Jesuiten-Flüchtlingsprojekt und nachhaltige Hefteinbände wurden zum Verkauf angeboten sowie Samen aus dem Gartenprojekt der offenen Ganztagsschule.
  • Die Fachakademie für Sozialpädagogik in München-Au arbeitet bereits seit vielen Jahren mit dem Zentrum für Umwelt und Kultur zusammen und hat die schon seit Jahren angebotenen Projekte vertiefend fortgesetzt. Für die Studierenden der Fachakademie ist es besonders wichtig, dass sie die von ihnen durchgeführten Projekte auch als Multiplikatorinnen nutzen können. So gehörten zu ihrem Programm Gartenerfahrungen, Naturerlebnistage zu Wasser, Energie, Bergwald und Wiese, die sie sowohl in der Stadt München als auch in der ländlichen Umgebung Benediktbeuerns durchführten.

Das, was die Kinder, die Schülerinnen, die Studierenden erfasst und erfahren haben, ist sicherlich prägend für ihre Zukunft und wegweisend für den achtsamen Umgang mit der Natur und untereinander. Sie alle wissen, was es heißt, Erde nicht nur zu verwalten, sondern aus dem Erdboden und der Natur auch etwas zu gestalten. Eine Chance für unsere gemeinsame Zukunft, unser gemeinsames Haus?

Reflexion

  • Papst Franziskus schreibt in Laudato Si‘: „Von „Schöpfung“ zu sprechen ist für die jüdisch-christliche Überlieferung mehr als von Natur zu sprechen, denn es hat mit einem Plan der Liebe Gottes zu tun, (…). Die Natur wird gewöhnlich als ein System verstanden, das man analysiert, versteht und handhabt, doch die Schöpfung kann nur als ein Geschenk begriffen werden, das aus der offenen Hand des Vaters aller Dinge hervorgeht, als eine Wirklichkeit, die durch die Liebe erleuchtet wird, die uns zu einer allumfassenden Gemeinschaft zusammenruft.“ (LS 76) Lassen wir uns ein auf eine solche Erfahrung, die uns zu einer allumfassenden Gemeinschaft zusammenruft? Eine Chance für unsere gemeinsame Zukunft, unser gemeinsames Haus?
  • Aus unserem Shalom-Dokument: Mit dem hebräischen Wort Shalom wird in treffender Weise die Frucht des apostolischen Einsatzes für Gerechtigkeit beschrieben. Im biblischen Sinn bezeichnet Shalom das dynamische Handeln, das darauf gerichtet ist, alles zu jener ursprünglichen Einheit hinzuführen, die von Gott gewollt ist. Shalom drückt den Wunsch von Psalm 85 aus, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen (vgl. „Friede”, Lexikon für biblische Theologie, Xavier Leon-Dufour). Ein Handeln in diesem Sinn: Eine Chance für unsere gemeinsame Zukunft, unser gemeinsames Haus?

Aktion

  1. Lesen Sie den Schöpfungsbericht Gen 1. Fast refrainartig verweist der Schreiber darauf: Gott sah, dass es gut war. Fühlen wir uns gedrängt, im Einklang mit dieser von Gott gewollten Schöpfung zu stehen?
  2. Das oben vorgestellte Projekt verschiedener Einrichtungen in der Bayerischen Provinz lädt ein, kleine Schritte zu gehen. Welche kleinen Schritte könnten Sie persönlich und in Gemeinschaft gehen hin zu der von Gott gewollten Schöpfungsordnung, der Einheit zwischen Natur und allen Lebewesen?

Schlussgebet

Liebevoller Gott, Schöpfer des Himmels, der Erde, Schöpfer von allem, was es gibt: Öffne unseren Geist und berühre unsere Herzen, damit wir Teil der Schöpfung sein können, die Du uns geschenkt hast.
Stehe den Bedürftigen in diesen schwierigen Tagen bei, vor allem den Ärmsten und Verwundbarsten.
Hilf uns dabei, kreative Solidarität zu zeigen beim Umgang mit den Folgen dieser globalen Pandemie.
Lass uns mutig die Veränderungen angehen, die die Suche nach dem Gemeinwohl von uns verlangt, so dass wir heute – mehr denn je – fühlen können, dass wir miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Lass uns den Schrei der Erde und der Armen hören. Lass uns den Schrei der Erde und der Armen hören und darauf antworten. Mögen die heutigen Leiden Geburtswehen sein, Geburtswehen einer geschwisterlichen und nachhaltigeren Welt. Darum bitten wir unter dem liebenden Blick Mariens, der Hilfe der Christen, durch Christus, unsern Herrn. Amen (Gemeinsames Gebet zum Laudato Si‘-Jahr 2020/2021)

Vorbereitet von Schw. Maria-Theresia Knippschild für das Internationale Shalom-Büro, Rom, Italien
Grafik: Richtungweisende Erklärung, 24. Generalkapitel. Design: Kongregationsweites Kommunikationsbüro

Print Friendly, PDF & Email