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Internationale Solidarität Reflexion

Auf dem Weg zur allumfassenden Gemeinschaft

Mai 2024

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Einführung

In tiefer Dankbarkeit versammeln wir, die Schulschwestern von Unserer Lieben Frau, uns am 9. Mai im Geiste am Grab unserer Gründerin, der seligen Mutter Theresia, und feiern ihr Charisma, die Gabe des Geistes. „In ihrer Sehnsucht nach der Einheit aller in Gott begründete (sie) die Kongregation  in der Eucharistie, verankerte sie in der Armut und weihte sie Maria.“ (vgl.: Ihr seid gesandt (ISG), Prolog)

Aufruf zum Gebet

Mit dem folgenden Gebet haben wir uns auf das 25. Generalkapitel vorbereitet. Es inspiriert uns auch weiterhin, wenn wir versuchen, das zu leben, wozu uns das Kapitel aufruft.

Dreifaltiger Gott,
Quelle der Liebe, öffne und weite unsere Herzen und forme uns zu einer neuen Schöpfung deiner Liebe. Wort der Liebe, lehre uns, zu lieben und die heilende Gegenwart zu sein, die unsere Welt heute braucht. Geist der Liebe, befreie uns, loszulassen, zu riskieren und prophetische Zeuginnen der allumfassenden Gemeinschaft zu werden. Möge die selige Theresia, Frau der Liebe, uns auf dieser verwandelnden Reise begleiten, immer auf der Suche, den Willen der Liebe zu erkennen und ihn zu tun.

Erfahrung

Es war während meiner Zeit am Gymnasium. Ich weiß weder das Jahr noch den Titel, aber ich erinnere mich, wie aufgeregt ich war, als ich zum ersten Mal ein Buch von Teilhard de Chardin las. Obwohl ihn während meines Studiums nie jemand zitierte, blieb seine Vision bei mir hängen. Sein neues Konzept des Evolutionsprozesses entwickelte sich, während er als Soldat im Ersten Weltkrieg diente. Ich war fasziniert: Wie kann man sich die gesamte Menschheit als einen Leib, als den Leib Christi, vorstellen, während man die Gefahr einer Schlacht in einem Schützengraben erlebt? Wir wissen, dass Teilhard selbst in Konflikt mit seinem Orden, den Jesuiten, und mit den Lehren der Kirche geriet. Er wurde zu archäologischen Studien nach China geschickt. Dort wurde er ein großer Wissenschaftler und geistiger Führer. Zu meiner großen Überraschung und Dankbarkeit hörte ich Papst Franziskus über seinen berühmten Jesuitenbruder sprechen. Zum Abschluss seines Besuchs in der Mongolei sagte der Papst am 3. September in Ulaanbaatar: „Die Messe in diesem Land zu feiern, hat mich an das Gebet des Jesuitenpaters Pierre Teilhard de Chardin erinnert, das er vor genau 100 Jahren in der Wüste Ordos, nicht weit von hier, an Gott gerichtet hat.“ (3. September 2023, Predigt)

Reflexion

Wenn ich über unsere Berufung nachdenke, prophetische Zeugen der allumfassenden Gemeinschaft zu werden, gehe ich zurück zu unserer Berufung in Ihr seid gesandt (ISG). Wieder wird mir bewusst, dass die einfache Reihenfolge der Abschnitte uns etwas über unsere Berufung sagen kann. Ich erinnere mich an die Zeit, als wir ISG schrieben und einige sehr spezifische Entscheidungen treffen mussten. Es gibt natürlich einen Abschnitt über die Gemeinschaft. Aber wo soll er eingeordnet werden? Vor oder nach den Gelübden? Und wollen wir einen zusätzlichen Abschnitt über die Eucharistie haben? Ja, es gibt den Abschnitt über die Gemeinschaft direkt nach der „Sendung“ und als Töchter Mutter Theresias haben wir einen zusätzlichen Abschnitt über die Eucharistie.

Heute möchte ich über zwei Verse meditieren, die sich gegenseitig ergänzen und uns inspirieren können. Der Satz in  ISG K. 9 spricht über den Wunsch Jesu, „dass alle eins seien“, und ermutigt uns, die ganze Menschheit und die ganze Schöpfung zu umarmen. Später im Text, in K. 34, finden wir das gleiche Konzept im Zusammenhang mit der Eucharistie. Hier finden wir den Ausdruck einer tieferen „Gemeinschaft“. Lebendige Gemeinschaft führt uns in die tiefere Vereinigung, in eine Gemeinschaft, eine „communio“, ein eucharistisches Einssein mit Christus und miteinander. Hier erinnere ich an die tiefe Einsicht von Teilhard de Chardin. Da es in der Wüste keinen Altar, kein Brot und keinen Wein gab, feierte er die universale Eucharistie: Christus, der in der ganzen Schöpfung gegenwärtig ist, Christus, der im Universum gegenwärtig ist.

Die allumfassende Gemeinschaft ist für alle und mit allen. Wir können keinen Teil der Schöpfung und der Realität der Welt ignorieren, der miteinander verbunden ist und nicht voneinander getrennt werden kann. Wie Papst Franziskus in Laudato Si‘ (LS) sagt: „Ein Empfinden inniger Verbundenheit mit den anderen Wesen in der Natur kann nicht echt sein, wenn nicht zugleich im Herzen eine Zärtlichkeit, ein Mitleid und eine Sorge um die Menschen vorhanden ist. […] Darum ist eine Sorge für die Umwelt gefordert, die mit einer echten Liebe zu den Menschen und einem ständigen Engagement angesichts der Probleme der Gesellschaft verbunden ist.“ (LS 91). Er fährt fort: Alles ist aufeinander bezogen, und alle Menschen sind als Brüder und Schwestern gemeinsam auf einer wunderbaren Pilgerschaft, miteinander verflochten durch die Liebe, die Gott für jedes seiner Geschöpfe hegt und die uns auch in zärtlicher Liebe mit „Bruder Sonne“, „Schwester Mond“, Bruder Fluss und Mutter Erde vereint.“(LS 92).

Aktion

Die Liebe Gottes drängt uns, einander zu lieben und die Schöpfung zu bewahren.

  1. Welche konkreten Maßnahmen können Sie in Ihrem Umfeld ergreifen, um sowohl die Menschen als auch die Natur zu lieben und für sie zu sorgen, um auf diese Weise konkret auf eine allumfassende Gemeinschaft hinzuwirken?
  1. Meditieren Sie und finden Sie Christus in sich. Betrachten Sie das Geheimnis Christi im Universum. Lesen Sie den Brief des Apostels Paulus an die Kolosser, 1,12-19, als ein helles Licht, das die Heilige Schrift auf das Thema unseres Aufrufs wirft.
  1. Dieses Jahr feiern wir am 9. Mai, dem Fest der Himmelfahrt Jesu, unsere Mutter Theresia. Denken Sie über diesen besonderen Tag nach und finden Sie einen Weg, die Einheit unserer Kongregation zum Ausdruck zu bringen.
  1. Welche Erfahrung haben Sie mit der allumfassenden Gemeinschaft gemacht? Wozu ruft Sie diese Erfahrung auf?

Schlussgebet

Beten wir mit den Worten von Teilhard de Chardin, die Papst Franziskus während der Abschlussliturgie seiner Reise in die Mongolei zitiert hat: „Funkelndes Wort, brennende Macht, Du, der Du das Viele knetest, um ihm Dein Leben einzuhauchen, senke, ich bitte Dich, auf uns Deine mächtigen Hände, Deine zuvorkommenden Hände, Deine allgegenwärtigen Hände herab“.(https://www.vaticannews.va/en/pope/news/2023-09/pope-to-mongolians-you-are-in-my-heart.html)
(3. September 2023, Predigt 

 

Vorbereitet von Schwester M. Beatrix Mayrhofer, Distrikt Österreich-Italien, für das Internationale Shalom Netzwerk

Grafik vom Design des 25. Generalkapitels Design von Joyelle Proot, SSND CP