Jahrgang 22 Ausgabe 3 Dezember 2021

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Eine Verpflichtung, weiterhin Die Liebe gibt alles zu leben

Von Marinez Capra, SSND, Internationale Shalom Koordinatorin

Das Jubiläum der Erde, motiviert durch die sieben Ziele von Laudato Si‘, forderte eine nachhal-tige Welt im Geiste der integralen Ökologie.  Dies versetzte uns in ein neues Paradigma für die Entscheidungsfindung und die Interpretation der Nachfolge Jesu in unserer Zeit und forderte uns auf, uns wie nie zuvor umeinander und um unseren Planeten zu kümmern. Der Geist von Laudato Si‘ hat unser Leben be-einflusst und ist in allen Elementen unserer Richtungweisen-den Erklärung präsent. Unsere öffentliche Verpflichtung, eine Laudato Si‘-Kongregation zu werden, ergibt sich aus unserer Sendung und unserem lebendigen Charisma, wie es in Die Liebe gibt alles zum Ausdruck kommt. Es markiert unsere Be-reitschaft, den „dringenden Appell“ von Laudato Si’ aufzu-nehmen:

  • •auf den Schrei der Erde und den Schrei der Armen zuhören und darauf zu antworten, indem man ihn zu einer
    Priorität der Kongregation macht;
  • unsere fortlaufende ökologische Bekehrung voranzubringen, indem wir unsere sozial-öko-logische Berufung im Geiste unseres Charismas besser verstehen;
  • jedes der sieben Ziele von Laudato Si‘ in unserLeben und unsere Dienste zu integrieren durchdie Entwicklung eines systematischen Prozes-ses zum Übergang zu einer Integralen Ökolo-gie;
  • mutige konkrete Maßnahmen im Sinne vonLaudato Si‘ zur Bewältigung der vielen Kri-sen, die unser gemeinsames Zuhause heimsu-chen – den Planeten und seine Bewohner;
  • Gewaltfreiheit zu praktizieren, während wiruns versöhnen, den Schmerz in der Schöpfungheilen und Hoffnung auf Frieden säen.

Wir sind diese Verpflichtung im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe eingegangen in dem Wissen, dass wir an Gottes Werk der Umwand-lung teilhaben, „denn wir wissen, dass sich die Dinge ändern können“. (LS 13) Am 14. Novem-ber, dem Globalen Gebetstag für die Armen, ha-ben wir uns gemeinsam mit vielen anderen Gemeinschaften offiziell auf die 7-jährige Reise als Laudato Si’-Kongregation begeben. Das erste Jahr ist auf den Übergang/die Planung ausgerich-tet, die anderen fünf auf wirksame Maßnahmen. Das siebte Jahr, das Jubiläumsjahr, feiert die Errungenschaften und setzt die Reise fort. Wir sind dankbar für Ihre Teilnahme am Reflexions-prozess der Ziele von Laudato Si‘. Möge Gott uns auf dieser herausfordernden Reise segnen!

Wir brauchen einander

Von Chiara Burzyńska, SSND, Provinz Polen

 

Jedes Jahr wählen wir in unserem Internat in Bielsko-Biala, Polen, ein Motto, das unsere päda-gogischen Aktivitäten leitet. Im Jahr 2020 wählten wir die Worte „Freude und Frieden“ aus Laudato Sí‘ (Kapitel IV).

Wir haben vier Ideen hervorgehoben:

— Wir wertschätzen jeden Augenblick.
— Wir können in Fülle leben, auch wenn wir mit wenig auskommen.
— Wir erkennen die Gegenwart Gottes.
— Wir finden Freude in den Begegnungen mit anderen (LS 222-227).

v. li. n. re: Anastazja, Aleksandra, Rosa und Dagmara

Aufgrund der Pandemie und des Lockdown in Polen konnten diese Pläne nicht so umgesetzt werden, wie wir uns das vorgestellt hatten. Die Mädchen hatten Distanzunterricht von zu Hause aus. Wir haben gelernt, dass diese schwierige Zeit auf un-erwartete Weise die wahre Bedeutung der in unserem Plan enthaltenen Ideen unterstrich, insbesondere die Freude, die aus der Begegnung mit anderen entsteht.

Viele Mädchen kamen mit einem Lächeln im Gesicht zu-rück ins Internat. Sie teilten uns mit, wie sehr sie die An-wesenheit ihrer Klassenkameraden und Freunde vermiss-ten. Sie waren überrascht, dass einige ihrer Mitschülerin-nen ihre Freude über die Rückkehr in die Schule nicht teilten.

Sie sagten, dass sie die Schwestern vermissten, unsere Gespräche und Zeichen des Interesses. Als Erzieherinnen können wir Schwestern jede Gelegenheit nutzen, um mit den Mädchen ins Ge-spräch zu kommen und ihnen Zeichen der Fürsorge, Unterstützung und Akzeptanz zu zeigen.

Die Zeit des Distanzunterrichts war auch eine große Herausforderung für die psychische Gesund-heit der jungen Menschen. Daher lautet unser Motto für 2021 „Wir brauchen einander“ (LS 229). Ein Beispiel dafür, wie wir dies in die Praxis umsetzen, ist die Organisation von Freiwilligenar-beit für Gleichaltrige – begabte Mädchen helfen ihren Freundinnen beim Lernen. Die Werte, die Papst Franziskus in Laudato Sí‘ betont, können uns alle wirklich mit Leben erfüllen.

Klimawandel, Beseitigung der Armut und Menschenrechte

Von Marinez Capra, SSND-Internationale Shalom-Koordinatorin

Frauen auf der Suche nach Wasser im Sudan. Shutterstock

Oft bewegen Fragen die Welt mehr als Antworten. Die Fragen zum Klimawandel und zur Armut führen uns zu den eigentlichen Ursachen für die Notwendig-keit einer ökologischen Umkehr. Was ist die Ursache der globalen Erwärmung? Wer ist am meisten vom Klimawandel betroffen? Wie hängt der Klimawan-del mit der Armut zusammen? Was ist Klimagerech-tigkeit? Warum Klimawandel?

Wir sehen, dass immer mehr Menschen in extremer Armut leben. Die Ärmsten sind die ersten und am stärksten vom Klimawandel Betroffenen. Dennoch sind sie am wenigsten für die Ursachen verantwort-lich und haben die geringsten Mittel, sich zu schützen. Nach Angaben von (All Together in Dig-nity (ATD) haben die jüngsten extremen Klimaereignisse Menschen, die bereits in Armut leben, geschädigt und viele ihrer Ernten, ihrer Häuser, ihrer Lebensgrundlage und selbst ihres Lebens beraubt.

Der Klimawandel, der zur Pandemie hinzukam, hat den Schaden für Menschen in extremer Ar-mut noch vergrößert. Leider wird erwartet, dass die Zahl, der in extremer Armut lebenden Men-schen bis zum Ende dieses Jahres 2021 auf 160 Millionen ansteigen wird. Diese „neuen Armen“ gesellen sich zu den 1,3 Milliarden Menschen, die bereits in dauerhafter Armut leben und bei denen sich die bereits bestehenden Entbehrungen durch die weltweite Pandemie noch verschlim-mert haben. Darüber hinaus lebte schätzungsweise eines von sechs Kindern (oder 356 Millionen weltweit) bereits vor der Pandemie in extremer Armut, und diese Zahl wird noch erheblich stei-gen ((UN).

Der Schrei der Armen und der Schrei der Erde sind eng miteinander verbunden. Klimagerechtig-keit ist ein dringender Appell für gerechte Beziehungen, wenn Armut als Folge ungerechter Strukturen und mangelnden politischen Willens, für das Gemeinwohl zu handeln, deutlich zutage tritt. Wir brauchen Maßnahmen, die die Beziehung zur Natur verändern, Strukturen der Korrup-tion abbauen und auf den moralischen Werten der Menschenrechte und der Rechte der Natur aufbauen, die die Würde des Lebens in den Mittelpunkt jeder Politik und jeder Maßnahme stellen.

Die Aktionsplattform Laudato Si‘, die Ökonomie von Franziskus, der Globale Pakt für Bildung und die Beschlüsse der COP26 geben Hoffnung und sind von zentraler Bedeutung für die Schaf-fung eines neuen Lebenssystems, das der Notwendigkeit entspricht, auf den Schrei der Erde und den Schrei der Armen zu antworten. Bleiben wir entschlossen, uns weiterzubilden, uns einzuset-zen und zu handeln, um die Hoffnung zu nähren und unser Engagement für alles Leben auf der Erde, unserem gemeinsamen Haus, zu stärken!

Perspektiven zweier Teilnehmerinnen
des hochrangigen politischen Forums der UN 2021

1. Von Leetta Hammack, SSND, Provinz Lateinamerika und die Karibik

Ich hatte das Privileg, im Juli am Hochrangigen Politischen Forum der UN für nachhaltige Ent-wicklung teilzunehmen. Diese Erfahrung hat mein Verständnis für die Organisation und die Funktion der Vereinten Nationen verbessert, die globalen Auswirkungen der Pandemie bestätigt, mir ein Verständnis für die Vielzahl ziviler und religiöser Organisationen vermittelt, die an den Vereinten Nationen beteiligt sind, und die Bedeutung der Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Entscheidungsfindung in lokalen und internationalen Fragen hervorgehoben. Das Motto, das mir am meisten in Erinnerung geblieben ist, lautet: „Lass niemanden zu-rück“.

Als Einwohnerin Paraguays habe ich den Fortschrittsbericht Paraguays zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung mit Freude entgegengenom-men. Er gibt mir die Möglichkeit, die Fortschritte im Verhältnis zu mei-nen eigenen Erfahrungen zu bewerten und zu sehen, wie Schulschwes-tern durch unseren Dienst hier etwas bewirken können. Durch die Teil-nahme an diesem Forum habe ich eines meiner eigenen Ziele verwirk-licht, dank dieser Gelegenheit, die mir die Kongregation bot. Ich danke Ihnen.

2.Von Rosa Maria Trochez, SSND, Provinz Lateinamerika und die Karibik

Als Schwester Beatriz Martinez-Garcia, SSND, mich einlud, am Hochrangigen Politischen Fo-rum der Vereinten Nationen für Nachhaltige Entwicklung im Juli teilzunehmen, fühlte ich mich ängstlich und unvorbereitet. Dennoch sagte ich trotz meiner Zweifel zu und betrat diese unbe-kannte Welt. Jedes Treffen war eine Quelle der Motivation, Freude und Bestätigung. Vor allem wurde mir klar, dass ich neben meinem Wissen über Fragen der sozialen Gerechtigkeit auch die
Erfahrung hatte, dass ich seit vielen Jahren mit den Schwächsten unterwegs war. Wie viele der anwesenden Ordensleute hatte ich also Erfahrungen aus erster Hand.

Ich habe gelernt, dass wir als Ordensleute eine große Kraft sind. Wir haben viel beizutragen, weil wir nicht nur aus Berichten, sondern auch aus eigener Erfahrung sprechen. Außerdem können wir uns mit den sehr positiven Informationen aus dem Voluntary National Review (VNR) (Anm. der Übersetzerin: Freiwillige nationale Überprüfungen) auseinandersetzen und diese vergleichen. Jetzt verstehe ich die Rolle der UNO besser. Ich habe unsere Teilnahme und Vertretung als Schulschwestern bei der UNO viel besser kennen und schätzen gelernt. Ich bin dankbar für diese Erfahrung und ich habe KEINE Angst.

Die Freiheit, mit den tiefsten Bereichen des eigenen Ich in Kontakt zu sein.
Quelle: Chang-DuongLateinamerika und die Karibik

Oikos, gemeinsames Haus: Wüsten und Gärten

Von Maruzania Soares Dias, SSND, Provinz Lateinamerika und die Karibik

Der brasilianische Pädagoge und Theologe Rubem Alves berührt uns im Innersten, wenn er schreibt: „Wer im Innern keine Pflanze setzt, wird auch im Äußeren keine Gärten säen und somit auch nicht darin wandeln können.“ Seine Worte rufen uns zur Wiederherstellung unseres inneren und äußeren Lebens auf, um die Wüsten zu erkennen, die durch die Zerstörung unserer Seele und unseres gemeinsamen Hauses entstanden sind. Sie rufen uns zu dem Paradigma auf, Leben in die Wüste unserer Herzen zu bringen, die durch Egoismus und Individualismus verhärtet sind, die in der modernen und postmodernen Welt als „schützende Grenzen“ verkleidet sind. Manchmal blenden uns sowohl die Banalität des Bösen als auch die Banalität des Guten und verbergen das Leben, wie es ist.

  • Gibt es Wege aus dieser Wüste, die der Mensch im Laufe der Geschichte geschaffen hat?
  • Wie können wir den Oikos Gottes in uns und in unserem Planeten erneuern?

Es ist nicht einfach, die tiefsten Berei-che des Selbst aufzuwühlen und wieder aufzuwühlen, Schichten unserer Deu-tungen des Unbewussten zu berühren, die die wahren Motive unseres Han-delns verschleiern können. In der Psy-choanalyse versetzt die innere Bewe-gung von Licht und Schatten den Ein-zelnen nicht nur in eine verworrene symbolische Welt, sondern verwickelt ihn auch in die reale und imaginäre Welt. Wenn eine innere Bewegung es den Schattenaspekten erlaubt, die Oberhand zu gewinnen, können die Symptome Gleichgültigkeit, Dominanz, Unterdrückung, Mangel an Mitgefühl und Zerstörung der Natur sein.

Unsere persönlichen und kollektiven Symptome zu erkennen und an ihren Ursachen zu arbeiten, kann uns in diesem inneren Prozess der Umkehr und des Engagements für das Gemeinwohl, für den Oikos Gottes, helfen und die Wüste der überwältigenden Realität verringern. Dies ist die Zeit, den Oikos Gottes in uns allen zu erneuern! Erkenne die Zeit, in der unsere Gärten blühen und duften!

Shalom/UN-NGO Newsletter ist eine Veröffentlichung der A. Schulschwestern v.U.L.Fr.
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