Jahrgang 22, Ausgabe 2    August 2021

Pdf to Print  257 KB

„Ein Zuhause für alle? Den Oikos[1]/das Haus Gottes erneuern“

von Schwester Marinez Capra SSND – Internationale Shalom-Koordinatorin

[1] Oikos (altgr. οἶκος; Plural: οἶκοι) war im antiken Griechenland die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft, die den Lebensmittelpunkt bildete. Die Begriffe Ökonomie und Ökologie sind davon abgeleitet.

Das sich der Klimanotstand und die ökologische Krise weiter zu gefährlichen Ausmaßen entwickeln, hören wir einen noch dringenderen Ruf, unsere Gebete und Taten mit dem Glauben an die Kraft der Verwandlung zu vereinen. Wir kommen als eine menschliche Familie zusammen, um den Oikos Gottes für die Zeit der Schöpfung vom 1. September bis 4. Oktober 2021 zu erneuern. Im diesjährigen Thema feiern wir das integrale Netz von Beziehungen, das „ein Zuhause für alle“ aufrechterhält. Persönlich und gemeinschaftlich sind wir eingeladen, zu beten und zu handeln, wo immer wir leben und dienen.

Leidvoll und schmerzlich erleben wir eine zunehmende Zerstörung von Lebensräumen und eine Destabilisierung von Ökosystemen. Dies hat den Verlust von Menschenleben zur Folge und ist eine Bedrohung für unser Zusammenleben. Viele Millionen unserer Brüder und Schwestern sind gezwungen aufgrund von Klimaunsicherheit, Konflikten und Armut aus ihrer Heimat zu fliehen. Unzählige Menschen auf unserer Welt haben kein anständiges Heim, in dem sie zuhause sein und leben können. Papst Franziskus warnt uns „Wir sind nicht mit zwei getrennten Krisen konfrontiert, einer ökologischen und einer sozialen, sondern einer komplexen Krise, die sowohl sozial als auch ökologisch ist. Strategien für eine Lösung erfordern einen integrierten Ansatz zur Armutsbekämpfung, der die Würde allen Lebens wiederherstellt.“ (Laudato Si‘ #139)

Con la emergencia climática y la crisis ecológica que continúan evolucionando a niveles peligrosos, escuchamos un llamado aún más urgente para unir nuestras oraciones y acciones con la fe en el poder de la transformación. Nos reunimos como una familia humana renovando el oikos de Dios para El Tiempo de la Creación de 2021, del 1 de septiembre al 4 de octubre. En el tema de este año, celebramos la red integral de relaciones que sostienen “un hogar para todos y todas”. Personal y comunitariamente, se nos invita a orar y actuar dondequiera que vivamos y realicemos nuestros.

Die Feier des fünfjährigen Jubiläums von Laudato Si‘ hat uns noch stärker bewusst gemacht, dass es dringend notwendig ist, ein würdiges Zuhause, einen sicheren „oikos“ für alle Lebewesen zu gewährleisten, damit das Leben in unserem gemeinsamen Zuhause Bestand hat. Der Schrei der Schöpfung und der Schrei der Armen rufen uns zu einer persönlichen und gemeinschaftlichen ökologischen Bekehrung auf, die eine tiefgreifende Veränderung von Herz und Verstand bewirkt. Es erfordert auch wirtschaftliche, soziale, pädagogische, politische und technologische Lösungen, die in einer Vision von Gerechtigkeit und Ganzheit verwurzelt sind. Wir hoffen, dass diese Zeit der Schöpfung die ökumenische Einheit zum Handeln stärkt  und sich für die Sorge um alles Leben einsetzt, wä hrend wir uns tief in die Erweckung von Laudato Si‘ einbringen. Möge diese heilige Zeit uns inspirieren und ermutigen, Verantwortung für das Werk der Erneuerung des Oikos unseres Schöpfergottes zu übernehmen! Mögen wir für die Würde allen Lebens erziehen, eintreten und gemeinsam mit anderen handeln, um sicherzustellen, dass alle ein Zuhause haben, in dem sie leben und gedeihen können! Unser Engagement für eine siebenjährige Reise als Laudato Si‘-Kongregation zur ganzheitlichen Ökologie hin ist eine weitere Möglichkeit, unseren besten Beitrag zu geben zur  Änderung des Laufs der Geschichte.

Eine Verpflichtung, sich um unser Zuhause zu kümmern

von Schwester Rosenilde Rosa da Silva Acácio SSND – Shalom Kontakt (ALC)

 

Als wir uns über unsere Biodiversität informierten und darüber nachdachten, wurde uns die dringende Notwendigkeit bewusst, eine proaktive Haltung zu Handlungen und Einstellungen einzunehmen, die die Realität unseres Lebens verändert. Inspiriert vom Jahrzehnt „Biodiversity“, der Laudato Si‘-Woche und den Aktionen von Herrn Hélio da Silva, der mehr als 33.000 Bäume gepflanzt hat, haben wir ein Webinar mit Herrn Hélio veranstaltet, um von ihm zu lernen. Sein Engagement und seine Beharrlichkeit machten ihn zum Schöpfer des ersten Linear Parks (Übers.: Park in der Stadt, länger als breit) von Sao Paulo und dem fünften der Welt. Dies hat uns als Pädagogen und Studenten motiviert und herausgefordert, uns dem Auftrag zu widmen, den Lebensraum, in dem wir leben, unsere Nachbarschaft und Stadt zu pflegen und zu erhalten. Papst Franziskus sagt: „Umwelt ist ein gemeinsames Gut, das Erbe der gesamten Menschheit und die Verantwortung aller.“ (Laudato Si‘ #95) Wir, die Pädagogen des Colégio Nossa Senhora das Dores, São Paulo, Brasilien, haben uns verpflichtet, über Folgendes nachzudenken:

  • wie wir unser Bewusstsein aufrechterhalten können, dass das Leben des Planeten von unseren heutigen Entscheidungen abhängt,
  • das Bewusstsein, das wir den Generationen in unserer Schule hinterlassen wollen,
  • wie unser tägliches Leben und unsere Einstellungen, die Sorgfalt und Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität demonstrieren könnten.

Bewegt durch das Zeugnis von Herrn Hélio, einem Menschen, der durch sein konkretes Handeln vor Licht und Liebe überquillt, fühlten sich die Schüler ermutigt, bestimmte Aktionen und Praktiken für ihre Weiterbildungsmaßnahmen im Umgang mit den Herausforderungen in São Paulo aufzunehmen:

  • Den „Wald Cantareira“, einen der größten städtischen Wälder der Welt, bekannt zu machen, der ein Überbleibsel des Atlantischen Waldes ist und eine große Artenvielfalt beheimatet.
  • Die Förderung des Pflanzens von Bäumen entlang der Straßen, in denen sie leben.
  • Den undurchlässigen Boden im Hinterhof ihrer Häuser durch einen Abflussboden zu ersetzen und, wo Platz ist, einen kleinen Garten anzulegen.
  • Grüne Wände zu schaffen, wo das Haus oder die Wand diese Form der Biodiversität unter-stützt.

Die Sorge um den Planeten und die Erhaltung der Biodiversität ist für uns alle eine Verpflichtung!

Die SDGs relevant machen

von Schwester Beatriz Martinez-Garcia  SSND – UN-NGO Repräsentantin

2015 haben alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen einstimmig die Agenda 2030 und die Sustainable Development Goals (SDGs; nachhaltige Entwicklungsziele) verabschiedet, in denen sie sich verpflichtet haben, niemanden zurückzulassen. Seit 2016 legen einige Länder jährlich ihre Voluntary National Reviews (VNRs Übers.: Freiwillige nationale Bewertungen) vor. Die Länder berichten, wie sie die SDGs in ihre nationalen Entwicklungspläne integrieren und wie diese Integration die Lebensqualität verbessert hat.

2015 haben alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen einstimmig die Agenda 2030 und die Sustainable Development Goals (SDGs; nachhaltige Entwicklungsziele) verabschiedet, in denen sie sich verpflichtet haben, niemanden zurückzulassen. Seit 2016 legen einige Länder jährlich ihre Voluntary National Reviews (VNRs Übers.: Freiwillige nationale Bewertungen) vor. Die Länder berichten, wie sie die SDGs in ihre nationalen Entwicklungspläne integrieren und wie diese Integration die Lebensqualität verbessert hat.

Das diesjährige High Level Political Forum (HLPF; Hochrangiges politisches Forum, die zentrale Plattform der Vereinten Nationen für die Weiterverfolgung und Überprüfung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und der Ziele für nachhaltige Entwicklung) fand vom 6. bis 15. Juli 2021 statt. An den letzten drei Tagen präsentierten 44 Länder ihre VNRs, darunter  Tschechien, Deutschland, Guatemala, Japan, Paraguay, und Sierra Leone.

Das zweite Jahr in Folge war das HLPF virtuell. Eine Delegation von 12 Schwestern und 4 Assoziierten aus den Provinzen Afrika, Lateinamerika und die Karibik, Altlantic-Midwest und Central Pacific vertraten uns. Das diesjährige HLPF wird sich auf die folgenden SDGs 1, 2, 3, 8, 10, 12, 13, 16 und 17 konzentrieren. Seit der Verabschiedung der Agenda 2030 und der SDGs können wir uns fragen, wie die SDGs mit unseren SSND Apostolaten zusammenhängen.

2021 Internationales Jahr zur Abschaffung der Kinderarbeit

von Schwester Beatriz Martinez-Garcia SSND – UN-NGO Repräsentantin

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen ruft Internationale Jahre aus, um das Bewusstsein für globale Probleme wie Kinderarbeit zu schärfen. Die Internationale Arbeitsorganisation (IAO) definiert Kinderarbeit als Arbeit, die Kinder ihrer Kindheit, ihres Potenzials und ihrer Würde beraubt und die der körperlichen und geistigen Entwicklung schadet. Kinderarbeit: Globale Schätzungen 2020, Trends und Road-Forward-Berichte (Road Forward, Übers.: der Weg nach vorn) besagen, dass 160 Millionen Kinder in Kinderarbeit verwickelt sind; 63 Millionen davon sind Mädchen und 97 Millionen Jungen. 79 Millionen dieser Kinder verrichten gefährliche Arbeiten, die zu dauerhaften Behinderungen, Krankheiten und psychischen Schäden führen können.

Die IAO hat zwei Konventionen zur Beendigung der Kinderarbeit verabschiedet: Konvention 138 legt 15 Jahre als Mindestalter für die Arbeit im Allgemeinen fest und Konvention 182 verbietet rechtlich die schlimmsten Formen der Kinderarbeit.

Die Uhr tickt. Das Ziel 8.7 für nachhaltige Entwicklung fordert die Mitgliedstaaten, den privaten und öffentlichen Sektor sowie Organisationen der Zivilgesellschaft auf, sofortige und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um Kinderarbeit in all ihren Formen bis 2025 zu beenden.

Recovering better1 – für eine gerechte und nachhaltige Welt

von Schwester Marinez Capra SSND – Internationale Shalom-Koordinatorin

 

Das ist das Thema 2021 des 54. Internationalen Friedenstages. Papst Franziskus hat in seiner Botschaft zur Feier dieses Tages bekräftigt, dass es für den Frieden in uns und unter uns äußerst notwendig ist, eine Kultur der Fürsorge zu schaffen. „Die Kultur der Fürsorge erfordert daher ein gemeinsames, unterstützendes und integratives Bekenntnis zum Schutz und zur Förderung der Würde und des Wohls aller, die Bereitschaft zu Fürsorge und Mitgefühl, zu Versöhnung und Heilung sowie zur Förderung gegenseitigen Respekts und Akzeptanz. Als solches stellt es einen privilegierten Weg zum Frieden dar.“ (Weltfriedenstag 1. Januar 2021 #9) „In vielen Teilen der Welt braucht es Wege des Friedens, um offene Wunden zu heilen. Es braucht auch Friedensstifter, Männer und Frauen, die bereit sind, mutig und kreativ zu arbeiten, um Heilungsprozesse und neue Begegnungen einzuleiten.“ (Fratelli Tutti  #225)

 

Die Pandemie geht Hand in Hand mit der Zunahme von Stigmatisierung, Diskriminierung und Hass, die nur noch mehr Leben dezimiert statt sie zu retten. Um zu kämpfen und die Menschheit von diesem gemeinsamen Feind zu befreien, müssen wir in unserem Herzen fühlen, dass wir nicht die Feinde der anderen sind. Wir sind alle Fratelli (Brüder) und Sorelle (Schwestern) und gehören derselben Menschheitsfamilie an. Um uns von den Verwüstungen und Verletzungen durch die Pandemie zu erholen, sind wir aufgerufen, Frieden zu schließen und Brücken der Versöhnung untereinander zu bauen. Wir können Frieden bringen, indem wir hasserfüllte Taten konfrontieren und Mitgefühl, Freundlichkeit und Hoffnung verbreiten.

Das Jahr des Jubiläums der Erde hat uns dazu aufgerufen, Frieden mit der Natur zu schließen. Trotz Reisebeschränkungen und wirtschaftlicher Kürzungen macht die Klimakrise keine Pause. Sie fordert Klimagerechtigkeit für eine grünere Welt, eine faire Handelspolitik und eine nachhaltige Weltwirtschaft, die Arbeitsplätze schafft und Emissionen reduziert.

1 Recovering better – wörtliche Übersetzung: bessere Genesung. Dahinter steht die Diskussion vieler Regierungen zu Plänen nach der Corona-Krise. Die Überwindung der Gesundheitskrise habe jetzt

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung im Leben der Armen Schulschwestern

von Schwester Beatriz Martinez-Garcia SSND – UN-NGO – Vertreterin

 

 

 

 

 

 

 

Unser 24. Generalkapitel ruft uns dazu auf, die Armut des Evangeliums anzunehmen und das Risiko einzugehen, uns der Transformation zu öffnen. Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) sollen unsere Welt verändern, indem sie den Menschen Frieden und Wohlstand sichern und gleichzeitig unseren Planeten schützen. 2019 erklärte Amina J. Mohammed, stellvertretende Generalsekretärin bei „Jahrzehnt des Handelns“: „Die SDGs fordern eine Transformation von Wirtschaft, Gesellschaft und menschlichem Verhalten. Diese Transformation wird nicht stattfinden, wenn sich die Menschen auf der ganzen Welt nicht der Ziele bewusst sind, ihre eigenen Anliegen in den Zielen sehen und zu wissen, was sie tun können, um die Ziele umzusetzen.“ Wie ermöglichen wir Schulschwestern, dass die SDGs uns bei der Transformation helfen? Wie beeinflussen die SDGs unser tägliches Leben?

 

Für ein immer größeres „Wir“

Der Welttag der Migranten und Flüchtlinge ist jedes Jahr der letzte Sonntag im September; 2021 wird er am 26. September gefeiert. Als Titel seiner Jahresbotschaft hat der Heilige Vater Für ein immer größeres Wir“ gewählt. (Botschaft des Papstes zum Welttag der Migranten und Flüchtlinge 2021.)

Mögen wir Wege finden, das Zelt unseres Herzens für schutzbedürftige Menschen, die auf der Straße unterwegs sind, weiten zu lassen!

 Photo: Wikimedia Commons

*.*.*.*.*.*.*.*.*

Prophetisch erziehen wir, erheben wir unsere Stimme und setzen uns gemeinsam mit anderen ein für die Würde des Lebens und die Bewahrung der Schöpfung. 

(Die Liebe gibt alles, Richtungweisende Erklärung der A. Schulschwestern)


Shalom/UN-NGO Newsletter ist eine Veröffentlichung der A. Schulschwestern v.U.L.Fr  via della Stazione Aurelia 95, 00165 Roma · tel: +39.06.6652.01; fax: +39.06.6652.0234.

Print Friendly, PDF & Email